248 Die Zubereitung der Kuhmilch.
analysen ausgerechnet worden, und werden in den ersten Lebenswochemzu einem Theil Milch 2 Theile Wasser und etwas Candiszucker zu-gesetzt. Im zweiten Monat gibt man gleiche Theile, und wenn mansieht, dass sie das Kind verdaut, reicht man die Milch unverdünnt.Besser als Wasser sind die Zusätze aus Hafer- oder Gerstenschleim,wobei kein Zucker mehr nöthig ist. Es gibt nun für die Kinder eineganze Reihe Saugfiaschen, die zum Theil so eingerichtet sind, dassschon das einfache Drücken auf das Saughütchen ein Heben derFlüssigkeit bewirkt. Eine regelmässige Erfahrung ist, dass die Flaschen-kinder sich viel mehr nass machen und deswegen leichter wund werden.
Die Hauptsache bei der Milchernährung kleiner Kinder ist,wie wir schon oben gesagt haben, dass die Milch vollkommenkeimfrei oder, wie der jetzt geläufige Ausdruck der Bacteriologenheisst, dass sie sterilisirt sei. Schon die früheren Vorschriftenlauteten dahin, dass die Milch sofort, nachdem sie in das Haus ge-kommen war, gekocht und nachher an einem kühlen Orte aufbewahrtwerde. Ebenso wurde verhingt, dass jede einzelne Portion nach derEntnahme aus dem Milchkrug nochmals im Schnellsieder gekocht underst nach Abkühlung dem Kind gereicht werde. Dies alles verfolgtenur das eine Ziel, die Milch von allen schädlichen Keimen zu befreien.Diese Vorschrift hatte jedoch noch den Mangel, dass durch den wieder-holten Luftzutritt beim Ausgiessen der einzelnen Portionen die im Krugzurückbleibende Milch wieder Zersetzungserreger in sich aufnehmenkonnte.
Darum ist das von Soxhlet eingeführte Conservirungsverfahrender Milch eine wichtige Verbesserung. Es läuft darauf hinaus, dieMilch in abgetheilten Portionen zu kochen und die einzelnenFlaschen unter Luftabschluss zu halten bis zum Gebrauch,so dass im Moment, wo der Verschluss geöffnet wird, die Milch sicherkeimfrei ist. Soxhlet's Vorschriften lauten: die Milch erst mit dernöthigen Menge Wasser zu verdünnen, die Flaschen von 150—200 ccmnicht ganz bis zum Hals zu füllen, dieselben im Wasserbad zu erhitzenund nach 5 Minuten langem Sieden des Wassers mit den Glasstöpseln,die durchbohrten Kautschukpfropfen und damit die Fläschchen voll-kommen zu verschliessen. Nun wird das Wasserbad noch 35—40 Mi-nuten in starkem Kochen erhalten, dann Alles weggestellt und an einemkühlen Orte aufbewahrt. Hat das Kind Hunger, so wird eine Flaschetrinkwarm gemacht (40—44° O), bis sie an der Haut der Wange wederbrennt noch sich kühl anfühlt, dann der Glasstöpsel entfernt und anseiner Stelle das Saugröhrchen eingesetzt.
Das Soxhlet'sche Verfahren hat sich sehr gut bewährt. Um dieMilch vor dem Gebrauch recht rasch zu erwärmen, damit die hungrigenKinder nicht lange schreien, ist es nöthig, das kleine Blechgefäss mitdoppeltem Boden zu benutzen, damit um das Glasfläschchen herumwenig Wasser steht, und das Wasserbad über einer Spiritusnamme zuerhitzen. Oefteres Umschütteln des Fläschchens befördert die Erwärmungder Milch wesentlich.