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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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Die Zubereitung der Kuhmilch zur Kindernahrung. 247

und Ammen nicht zu haben sind, muss künstliche Kindernahrung her-geschafft werden.

Sicher hat man darin im Lauf der verflossenen 15 Jahre ganzbedeutende Fortschritte gemacht, die Tausenden von Neugeborenen zugute kommen.

Das nächstliegende Ersatzmittel der natürlichen Nahrung ist dieMilch unserer Haussäugetbiere, speciell die der Kuh. Ueber Stuten-oder Eselinnenmilch, die wegen grösserer Uebereinstimmung mit derFrauenmilch zweckmässiger wäre, sind keine Beobachtungsreihen be-kannt geworden. Die Ziegenmilch hat vor der Kuhmilch keine Vor-züge, sie ist noch fetthaltiger als die letzere.

Auch dieser Satz, die Kuhmilch sei der beste Ersatz, scheint sovulgär zu sein, dass man fast Austand nehmen müsste, ihn auszu-sprechen. Keineswegs. Es sind nicht über 10 Jahre, dass es mög-lich war, dass der Vater eines Kindes, der ein Dutzend Kühe im Stallstehen hatte, von seinem Hausarzt bewogen wurde Nestle'schesKiiidermehl für sein Neugeborenes zu beziehen. Darin ist das Publikum,aber auch die Meinung der Aerzte schwer irre geführt worden, weildie betreffenden Fabrikanten ungescheut die Reclame verbreiteten, essei Kindermehl der beste Ersatz für Muttermilch. Wir werden sehen,wie unwahr dies ist.

Man hat eben auch bei Anwendung der Kuhmilch einen Hakengefunden. Erstens ist es bei dem gewöhnlichen Milchhandel, besonderszur Sommerszeit, schwer, ja ganz unmöglich, die Milch ohne Säuerung,ohne saure Reaction zu bekommen. Wenn nun auch durch Einkochenunmittelbar vor dem Verabreichen die lebenden Keime unwirksam ge-macht werden, ist es sicher für das Kleine nicht gleichgültig, solchedurch die Milchsäuregährung schon veränderte Milch in den Ver-dauungskanal zu bekommen. Alles kommt darauf an, dass dieMilch frei von Grährung, überhaupt frei von Keimen sei.Wie dies zu erreichen ist, werden wir noch angeben. Ein Unterschiedbesteht ferner in chemisch verschiedenen Eigenschaften des Caseins.Das Casein der Kuhmilch fällt stets in grösseren Flocken ausals dasjenige der Frauenmilch, und dieser Unterschied liegt am Casein,nicht am Serum (Kehrer). Alle feinen Nüancirungen in der An-säuerung vermögen dies nicht zu ändern. Die grösseren Flocken, dieauch mehr zum Zusammenballen neigen, werden schwerer verdaut. Esist kein Wunder, wenn Kinder, welche von Geburt an mit Kuhmilchaufgezogen werden, anfangs gar nicht und im Durchschnitt des erstenMonats viel weniger zunehmen als Brustkinder. Die Milch von Stutenund Eselinnen zeigt diesen Unterschied des Caseins nicht.

Doch sind dies noch die kleinsten Uebelstände bei der künstlichenErnährung mit Kuhmilch und nur bei unreifen oder schlecht ent-wickelten Kindern wird um dieses Unterschiedes willen der schliesslicheErfolg ausbleiben.

Die Milch muss verdünnt werden.

Die Verdünnung der Milch ist theoretisch nach den Milch-