246 Die Pflege des Kindes.
b) Die Pflege des Kindes
bezieht sich ausschliesslich auf Vorsorge für gute Nahrung und pein-liche Reinlichkeit. Die beste Nahrung bietet die Mutter, und wo diesenicht stillen kann, eine Amme. Das ist eine alte, höchst vulgäre Weis-heit, die nicht vieler Begründung bedarf, aber in sehr vielen Fällenein Verlangen der Theorie, das in der Praxis nicht erfüllt werden kann.Wie schwer ist es nicht oft, eine gute Amme aufzutreiben. Wie vieleEltern müssen auf die Beschaffung einer solchen verzichten. Manbraucht die Anforderungen gar nicht besonders hoch zu schrauben, somacht es viel Mühe.
Erforderlich ist es, dass die Amme selbst gesund und nicht dieTrägerin Constitutionen infectiöser Krankheiten sei. Es muss sicherauszuschliessen sein Syphilis, Tuberculose und tuberculöse Belastung,Scrophulose. Dann muss dieselbe sonst gesund sein, gute Warzen undgute Milch haben. Besser ist eine Mehrgebärende als eine Erstge-bärende, weil das Milchgeschäft bei den letzteren eher einmal Störungenerfährt. Mit den übrigen vielen Eigenschaften, welche eine idealeAmme haben sollte, muss man Nachsicht üben. Es ist wohl angenehm,wenn eine solche Person schöne, gesunde Zähne hat, sanft ist, derenKind nur wenig älter ist als das Pflegekind; aber auf solche Dinge darfkein zu grosses G.ewicht gelegt werden. Die Qualität der Brustwarzenergibt die Besichtigung, die Quantität der Milch taxirt man durcheinen Druck auf die Brust, wobei, wenn das Kind einige Zeit nichtgetrunken hatte, sich Milch im Strahl entleeren soll.
Ueber die Qualität der Milch gibt das Kind der Ammedas beste Zeugniss, und nie sollte man, wo dies möglich ist, sichdie Besichtigung, beziehungsweise das Abwiegen des betreffenden Kindesentgehen lassen.
Erst in zweiter Reihe stehen die verschiedenen Methoden derMilchuntersuchung. Am raschesten und zuverlässigsten ist die mikro-skopische Beobachtung, welche aber eine grosse Uebung voraus-setzt. Die Milch muss mittelgrosse Körperchen dicht gedrängt enthalten.Die Bestimmung des specifischen Gewichtes mit dem Pyknometer istfür die Praxis schon viel zu umständlich. Es schwankt das specifischeGewicht zwischen 1025—1035. Dagegen gibt es noch Apparate zurBestimmung des Fettgehaltes (Lactobutyrometer).
Nun kann aber, wenn alle Untersuchungen nur Gutes ergebenhaben, die Amme schliesslich doch nicht einschlagen, und ist oft daranallein der Nahrungswechsel Schuld. Deswegen lasse sich ein Arzt,der Ammen zu besorgen hat, gewarnt sein und salvire sich auf alleFälle. Immer ist aber auch im Anfang etwas Geduld anzurathen undzu dem objectiven Hülfsmittel über Erfolg oder Misserfolg der Nahrurigzu greifen — zur Waage. Jeder neue Nahrungswechsel gibt neueUeberraschungen.
Da es so oft vorkommt, dass die Mütter nicht stillen können