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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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242
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242 Bie Behandlung der Wöchnerinnen.

1877. Conrad: Die Untersuchung der Frauenmilch. Bern 1880. Schoppe:Zur künstl. Ernährung der Säuglinge. 1884. Sehr empfehlenswerthe Zusammen-stellung und kritische Sichtung.

Was zur baldigen Herstellung einer Neuentbundenen die Haupt-sache sei, haben wir früher schon eingehend berücksichtigt. Es istdies, wie die verflossenen 25 Jahre unwiderleglich bewiesen haben,die geburtshilfliche Antisepsis. Da wir dort alles hierher gehörige imZusammenhang und mit eingehender Begründung erörtert haben, sokönnen wir darüber hinweggehen.

Nur einen Punkt wollen wir nicht unbesprochen lassen. Es sinderst 9 Jahre her, dass sich unter dem Eindruck der glänzenden Re-sultate der Chirurgie ein Theil der Fachgenossen einer ausserordent-lichen Vielgeschäftigkeit zuwandte. Man glaubte auch die noch vereinzeltvorkommenden Fieber im Puerperium aus der Welt schaffen zu können,wenn man eine der Chirurgie genau nachgeahmte Methode einführte.Man versuchte Spray, Drainage und Occlusivverband. Da die Drainssich zu leicht verstopfen, sollte dauernde Ueberrieselung die per-manente Irrigation eingerichtet werden.

Von all diesen Dingen sind selbst ihre Urheber zurückgekommen,weil sich damit durchaus keine besseren Resultate gewinnen Hessen.Gerade das Gegentheil wurde erreicht, eher Mehrung der Erkrankungenund Zufälle, als Verminderung derselben.

Wir huldigten stets der äussersten Enthaltsamkeit von jedemEingriff in den Verlauf, so lange die Wöchnerinnen vollständig gesund,vollständig fieberfrei sind, und haben es erreicht, dass die von unsgeleiteten Entbindungsanstalten trotz sehr starker Inanspruchnahmedurch Studirende und Hebammen unter allen klinischen AnstaltenDeutschlands die beste Mortalität aufzuweisen haben x ). Nicht einmalVaginaleinspritzungen werden ohne besondere Indication gemacht. JedeWöchnerin wird täglich zweimal mit dem Thermometer gemessen, sowiesich etwas Fieber zeigt, alle 2 Stunden. So lange die Temperaturnormal ist, geschieht weiter gar nichts als Abwaschen der Genitalienmit lauem Wasser und entsprechende Erneuerung der Unterlagen.Wird dagegen eine Person krank, so kommt mit verdoppelter Energieder ganze therapeutische Apparat in Anwendung.

') Wir entnehmen das Vergleichungsmaterial der jüngst erschienenen Publi-kation Dohrn's: Zur Kenntniss der Mortalität in den öffentlichen Entbindungs-anstalten Deutschlands während des Decenniums 18741883. Z. f. 6. u. G. Bd. II.p. 121 ff. Es figurirt dort die meiner Leitung unterstellte Klinik mit 0,69% hinter derMünchener Gebäranstalt mit 0,53 % Mortalität. Es gibt aber nach Dohrn's eigenenNotizen die letztere Ziffer kein richtiges Bild über die Münchener Anstalt.; dennDohrn berichtet, dass 97 kranke Wöchnerinnen transferirt und davon 58 ge-storben seien, rechnet aber diese letzteren nicht bei der Mortalitätsstatistik mit.Die gehören dazu; dann hätte München eine Mortalität von 1,08 °/o- In den ein-zelnen Jahresberichten Hecker's ist ausdrücklich die Zahl der auf Puerperalsepsiszu rechnenden unter den Transferirten angegeben. Andererseits sind seit Dohrn'sStatistik für uns noch 2 Jahre ohne Todesfall an Puerperalfieber zu addiren undstellt sich unsere Mortalität an Puerperalfieber von 18761885 auf 0,54 % Niewurde hier eine Kranke transferirt und bei jedem Todesfall die Section gemacht.