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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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243
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Die Behandlung der Wöchnerinnen. 248

In der Prophylaxis freilich gelten hier die strengsten Maximenauch puncto Abstinenz bei septisch inficirten Händen. Es scheint diesdoch nicht so gleichgültig und unwesentlich zu sein, wie mir schon oftentgegengehalten wurde. Gerade die Untersuchungen Fürbringer's.ergeben klar, dass bisher noch keine genügende Desinfection der Händebestand. Wenn seine Versuche zeigen, dass man ohne Berührung septi-scher Stoffe pathogene Keime an den Händen haben kann, kommtdoch der Einwand zu Recht, dass man nach der Berührung mit septischenStoffen pathogene Keime an der Hand haben muss. Dann sind durchdie von uns geübte Abstinenz so und so viel vor Krankheit bewahrtgeblieben, weil die bisherige Desinfection ungenügend war.

Ein Hauptaugenmerk wurde besonders früher auf die Nahrunggelegt. Unter dem Eindruck der Humeralpathologie liess man dieWöchnerinnen hungern. So glaubte man eher den Eintritt von Fieberzu vermeiden. Das ist ein überwundener Standpunkt. Wenn mantrotzdem in der ersten Zeit weniger Nahrung reicht, so geschieht dies,weil zunächst nach der Geburt wenig Esslust vorhanden ist. Sowiesich aber der Appetit regt, existirt gar kein Grund gegen genügendereichliche Nahrung. Eine anhaltende Einschränkung der Nahrungs-zufuhr entzieht blos der Milch die Kraft. Es kommt dabei nur dasKind zu Schaden.

Doch sei die Nahrung leicht verdaulich, leicht assimilirbar. Dennblähende, schwer verdauliche Speisen füllen und dehnen die Darm-schlingen ins übermässige aus, und da die Wöchnerinnen ohnehin eineZurückhaltung der Fäces wegen mangelnder Wirksamkeit der Bauch-presse haben, würden stark blähende Nahrungsmittel trommelartigeAuftreibung des Leibes machen. In der That behalten ja so vieleFrauen einen unförmlich grossen Leib von den Entbindungen zurück.Zu gestatten sind alle nicht zu fetten Suppen und schon vom 3. bis4. Tage an, besonders wenn die Stuhlentleerung inzwischen in Ganggekommen ist, Milch, Eierspeisen und Braten, Geflügel und gekochtesObst. Alle fetten Saucen müssen vermieden werden.

Den ersten Stuhlgang muss man, wenn er nicht spontan er-folgt, am 3., spätestens am 4. Tag durch einen Löffel voll Ricinusöl,resp. 36 Gelatinekapseln aus solchem Oel befördern. Häufig genugmuss man gerade in der Praxis nobilis mit Klystieren nachhelfen.Ein besonderes Augenmerk richte man auch auf regelmässige Harn-entleerung. Das wird oft geradezu vergessen. Die Ursache habenwir oben schon erwähnt. Mindestens 23mal im Tag muss dies er-folgen. Sollte je katheterisirt werden müssen, so darf dies nur vonSeiten des Arztes geschehen. Die Harnröhrenmündung muss vor demAnsetzen des Katheters mit reiner Watte ab- und ausgewischt werden.Versäumen dieser Vorsicht kann Blasenkatarrh veranlassen.

Mit dem Stillen beginne die Neuentbundene, wenn das Kindvom ersten Schlaf erwacht und Nahrungsbedürfniss äussert. Längerals 2436 Stunden darf man nicht warten.

Im Interesse der guten Rückbildung der Genitalien