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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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241
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Die Gewichtsabnahme der Neugeborenen. 241

tisch seien, war für die Anschauung des hämatogenen Ursprunges die Brücke ge-schlagen.

In neuester Zeit spricht sich Birch-Hirschfeld 1 ) für den hepatogenenUrsprung aus und wäre danach diese Gelbsucht ein Stauungsicterus, aber niederenGrades. Es handelte sich nach ihm nicht um einen Verschluss, wohl aber um eineVerengerung der Ausführungsgänge durch Oedem. Birch-Hirschfeld machtauf eine Veränderung aufmerksam, die bis dahin den Anatomen entgangen war,nämlich ein Oedem der Leber und Oedem an der Leberpforte und in der Um-gebung der Pfortaderverzweigungen. Das Oedem soll die Folge einer venösenStauung und diese wiederum veranlasst sein durch Rückstauung vom rechtenHerzen aus.

So viel wies Birch-Hirschfeld nach, dass erstens das sulzige Oedem sichum die Leberpforte vorfand und dass in einer Reihe von Fällen Gallensäurein der Pericardialflüssigkeit vorkam. Diese Stoffe sind unzweifelhaft beweisendfür den hepatogenen Ursprung. Abwarten muss man aber noch, ob alle Fälleso zu erklären sind. Vergl. Runge, Die Krankheiten der ersten Lebenstage.Stuttgart. 1885.

Eine auffallende Erscheinung der neugeborenen Kinder ist derenGewichtsabnahme in den ersten Lebenstagen. Es hat diese Er-scheinung in der ganzen Thierwelt nicht ihresgleichen. So viel auchdieser Contrast darauf hinweist, dass die Menschen unbewusst in irgendeinem Punkt der Behandlung von dem richtigen instinctiven Verfahrendes Naturmenschen abweichen, so hat man doch bei vielem Probirendiesen Punkt nicht finden können. Man kann durch verschiedene Un-aweckm'ässigkeiten, z. B. durch zu frühe Abnabelung und anderes dieAbnahme vergrössern; man kann jedoch dieselbe nicht ganz vermeiden.Wahrscheinlich liegt der Unterschied an den stärkeren Wärmeverlustendurch die Haut, welche beim menschlichen Kinde zum Unterschied vonden Thieren ganz ohne natürlichen Schutz ist. Die Fettschicht, welcheden Rücken bedeckt, dient nicht zum Schutz. Wir machten Versuche,diese nicht wegwaschen zu lassen, die Kinder nicht zu baden, sondernsie sofort nach der Geburt möglichst warm einzuhüllen es hat inder Gewichtsabnahme nichts wesentliches ausgemacht.

Die Abnahme dauert gewöhnlich 34 Tage, der Gewichtsverlustbeträgt durchschnittlich 220 g. Am 7. bis 9. Tag ist das Anfangs-gewicht bei normaler Zunahme wieder erreicht.

Die Diätetik des Wochenbettes.a) Die Pflege der Mutter.

Literatur.

Küstner: Berl. klin. Wochenschr. 1878. Nr. 23. Klemmer: Winckel'sBerichte u. Studien. 1876. Bd. IL p. 155. Kehrer: Entstehung u. Prophylaxewunder Brustwarzen. Beiträge etc. Bd. II. p. 57. Dencke: A. f. G. Bd. XV. p. 281. Biedert: Unters, über d. chemischen Unterschied d. Menschen- und Kuhmilch.Diss. Giessen 1869, u. Virch. Arch. Bd. 60. p. 352, u. Jahrb. f. Kinderheilk. N. F.Bd. XL Heft 2 u. 3. Fleischmann: Klinik der Pädiatrik. Bd. I u. IL 1875.

') Virchow's Archiv. Bd. 87. p. 1.Zweifel, Geburtshülfe. 2. Aufl. 16