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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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240 Der Icterus neonatorum.

genossenen Nahrung stammen. Dann ändern sich die Ausleerungenkleiner Kinder in der Farbe, werden gelb wie gekochter und ge-hackter Eidotter und behalten unter normalem Verhalten diese Farbe,so lange die Kleinen ausschliesslich Milchnahrung bekommen.

Dem Albumin der ersten Milch, resp. dem Colostrum schreibtman eine leicht purgirende Wirkung zu.

Auch Urin wird bald producirt. Derselbe ist sehr wenig ge-färbt und hat ein geringes specifisches Gewicht (1006).

In den Nieren von Leichen Neugeborener ist fast regelmässigHarnsäureinfarct vorhanden eine Füllung der geraden Harn-kanälchen mit einem rostbraunen, krümeligen Niederschlag.

Sehr häufig schwellen auch die Brustdrüsen der kleinen Kinderetwas an und lässt sich aus denselben etwas milchiges Secret aus-drücken (Hexenmilch). Das kommt bei Knaben noch häufiger vorals bei Mädchen. Wenn nichts anderes geschieht, als das Auflegenvon etwas mit Fett bestrichener Leinwand, so geht die Erscheinungin wenig Tagen vorüber, so roth auch die Drüse ist, so sehr aucheine Entzündung zu drohen scheint.

Die Haut der Neugeborenen ist gleich nach der Geburtkrebsroth und nimmt sehr häufig in einigen Tagen ein leicht icte-risches Colorit an (Icterus neonatorum). Für die Mehrzahl der Fälleist die Aetiologie nicht sicher bekannt. Es existiren darüber nochMeinungsverschiedenheiten. Diese Mehrzahl ist prognostisch ganz be-deutungslos und bedarf keiner Behandlung. In wenig Tagen ist derIcterus je nach Intensität rascher oder langsamer wieder verschwunden.

Der Icterus neonatorum hat den Forschern schon mehr Mühe gemacht, alses der Bedeutung der Krankheit entspricht; denn die Krankheit heilt meistensganz von selbst. Schon lange gehen die Meinungen über die Aetiologie hin undher, indem man bald mehr zur Ansicht neigt, der Icterus neonatorum sei hepato-genen, bald mehr er sei hämatogenen Ursprungs. Diese Schwankungen hängeneng zusammen mit den Lehren der physiologischen Chemie über die Bedeutungresp. Identität gewisser Blut- und Gallenfarbstoffe.

Die älteste Lehre stammt von Morgagni. Er.nahm an, dass ein Absinkendes Druckes und eine vermehrte Blutzufuhr zur Leber Ursache des Icterus sei.Von Frerichs wurde dann diese Auffassung erweitert und angenommen, dassbei dem Absinken des Blutdruckes Galle aus den Gallengängen ins Blut aufge-nommen werde und den Icterus bedinge.

Die ältere Ansicht lässt eigentlich die Sache unentschieden. Die von Fre-richs gebrachte Erklärung ist ganz unwahrscheinlich. Erstens könnte der Druck-ausgleich nur kurze Zeit dauern, und wäre von einer so vorübergehenden Gallen-Resorption keine Gelbfäi'bung des ganzen Körpers zu erwarten. Dann aber gehendie ins Blut getretenen Gallenfarbstoffe und Gallensäuren, wenn ihnen der natür-liche Umweg durch die Leber offen steht, immer wieder so aus dem Körper undnicht durch die Nieren. Endlich ist von Fleischl auf Grund von Experimentenbehauptet worden, dass nach Unterbinden der grossen Gallengänge die Galle durchVermittlung der Lymphgefässe und des Ductus thoracicus in das Blut gelange,also der directe Uebertritt ganz unwahrscheinlich wäre.

Wesentlich weil man bei so vielen Nachforschungen keinen Gallenfarbstoffim Urin und kein Fehlen desselben in den Fäces sah, gewann die Ansicht Boden,dass die gelbe Färbung von einer Veränderung des Blutfarbstoffes stamme. Dadie physiologische Chemie lehrt, dass Bilirubin und Hämatoidin geradezu iden-