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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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239
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Der Stoffwechsel der Neugeborenen. 239

verschuldet sind. Denn wenn auch die Nabelschnurblutungen aus verständlichenGründen bei schwächlichen Kindern mit schlechter, ungenügender Athmung ehervorkommen, so inuss auch bei diesen durch ein recht festes Unterbinden desStranges jede Blutung unmöglich gemacht werden: Unter Nabelblutung meinenwir ein Blutsickern aus den Granulationen der Nabelwunde. Es kommtnicht häufig vor, wiederum eher bei schlecht athmenden Kindern und dann wahr-scheinlich eher durch Rückstauung aus der Nabelvene, als aus den Nabelarterien.Die Blutstillung geschieht entweder durch eine glühende Stricknadel,welche den feinen Blutpunkt aufsucht, oder durch Zuklemmen mit Serre finesoder durch Umstechen und Unterbinden.

Die häufigste Krankheit der ersten Tage ist die Atelectasis pul-monum. Die Lungen dehnen sich nicht genügend und saugen nichtgenug Luft ein. Dadurch wird das Blut nicht oxydirt, die Centren derAthmung, überhaupt das ganze Kind verfallen einer Lethargie und esentsteht eine langsam steigende Kohlensäure-Vergiftung. Nirgends passtdas Wortcirculus vitiosus" so gut wie für diesen Zustand, der nurdadurch gebessert wird, dass man das Kind künstlich zu kräftigen Athem-bewegungen zwingt, überhaupt wie ein scheintodtes (asphyctisches) be-handelt.

Nach der Athmung und Circulation geschieht die wichtigste Um-wälzung in dem Stoffwechsel des Neugeborenen. Die Nahrungsauf-nahme findet anfangs häufig und unregelmässig statt. Das Kleine weintaus den verschiedensten Unbehaglichkeiten und die Mütter und Ammenpflegen dann stets dem Kind zur Beruhigung die Brust anzubieten. Esist nur zu rathen, so bald wie möglich darauf zu denken, gesundeKinder an eine gewisse Ordnung zu gewöhnen.

Der Verdauungsapparat des reifen Kindes ist zur Verdauung derMilch vollständig ausgebildet. Das Neugeborene hat eine richtigePepsin- und Salzsäureabsonderung und Pepsinverdauung J ) im Magen.Es vermag recht gut das Casein in Peptone zu verwandeln. Ausser-dem besitzt das Pankreas Verdauungskraft für die Fette, die es inGrlycerin und Fettsäuren spaltet und mit der Galle emulgirt. SelbstEiweissverdauung in alkalischer Lösung wird vom Pankreasextrakt be-wirkt.

Was aber dem Kind vollständig fehlt,-ist das zuckerbildendeFerment im Pankreas und in den meisten Mundspeicheldrüsen. Esist zwar vorhanden in der Parotis, aber auch da von geringerer Kraft.Deswegen passen für Kinder in den ersten Lebenswocheneigentlich bis zur ordentlichen Speichelbildung keine stärke-haltigen Nahrungsmittel. Die Kinder können dieselben nicht ordent-lich verdauen und assimiliren, treiben nur einen Ballast von Kleisterdurch ihren Darmkanal.

In den ersten Tagen sondern die Kleinen das im Verdauungskanal,besonders im Dickdarm während der ganzen Schwangerschaft aufge-speicherte Meconium aus. Dies dauert ungefähr 3 Tage. Allmählichwird das Kindspech mit gelblichen Partikeln untermischt, die von der

Zweifel, Verdauungsapparat der Neugeborenen. Berlin 1875.