Druckschrift 
Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
238
Einzelbild herunterladen
 

238 Das Abfallen des Nabelschnurrestes.

G e w i c h t s v e r ä n d e r u n g e n:Kehrer: A. f. G. Bd. I. p. 124. - Gregory: Ibid. Bd. II. p. 48. Kez-marsky: Ibid. Bd. V. p. 547. Krüger: Ibid. Bd. VII. p. 59. Fleischmann:Wien. Klinik. JuniJuli 1877 u. Klinik der Pädiatrik. Bd. I u. IL Wien 1875 u.1877. Camerer: Zeitschr. f. Biologie. Bd. XX. p. 383. Ritter v. Ritters-hain: Statistische Mittheilungen. Prag 1878. p. 44- Ahlfeld: Ueber Ernährungd. Säuglings etc. Leipzig 1878. Lorch: Kinderwägungen etc. Diss. Erlangen 1878.

Die hauptsächlichsten Veränderungen gehen vor im Gebiete derAthmung und Circulation. Was sich dabei ändert, haben wir, umWiederholungen zu vermeiden, bereits bei Beschreibung der fötalenCirculation erwähnt (S. 70 u. 71; vergl. Farbendrucktafel auf S. 88).Wir verweisen deswegen auf jenen Abschnitt.

Der Nabelschnurrest, welcher einige Centimeter lang am Kindstehen bleibt, trocknet unter dem Einfluss der Körperwärme ein. Durchdie Mumification entsteht an dem Rand des persistirenden Nabels (Capillar-kranz vergl. S. 65) durch die sich von allen Seiten retrahirende Nabel-schnurscheide die Lostrennung. Dies geschieht schon in den erstenTagen und hängt der vertrocknete Stumpf noch einige Tage an denGelassen. Durchschnittlich am fünften Tag trennt sich dermumificirte Rest vollständig und hinterlässt eine kleine granu-lirende Wunde, welche in 1215 Tagen geheilt ist. Bei dicken, so-genannten fetten, d. h. sulzreichen Nabelsträngen erfolgt der Abfalletwas früher als bei dünnen.

Nach der B,etraction der Amnionscheide bis zum vollständigen Verheilen derNabelwunde entstehen bei den Neugeborenen die verschiedenen Nabelkrankheiten.Besonders in der ersten Zeit ist eine Infection leicht möglich, wenn pyogeneKeime vorhanden sind. Das ist besonders in Anstalten zur Zeit von Puerperal-fieberepidemien der Fall. Die krankmachenden Spaltpilze kriechen dann durchdie Gefässlumima oder den Gefässen entlang in die Tiefe. In den letzteren Fällenerfolgt unter Durchsetzung der Wand tiefer unten eine Entzündung bis in dasInnere des Gefässlumens, und setzt sich hier ein Thrombus an, der später eitrigzerfällt. Die Zerfallsproclucte des Gefässinneren überschwemmen den kindlichenKörper und bedingen nur zu leicht und oft überraschend den Tod des Kindes.Weit häufiger als an der Vene kommt diese Infection längs der Nabelarterien vor.(Arteriitis umbilicalis resp. Phlebitis umbilicalis.) Birch-Hirschfeld erklärt dasrelativ seltene Vorkommen einer Phlebitis umbilicalis durch das Fortbestehen einergewissen Circulation in der Nabelvene resp. einer periodischen Fluth und Ebbedurch Rückstauung. Die Nabelvene führt den Stoff rascher weiter. Es ist diesein Theil der Erkrankungen, die man als Puerperalfieber der Neugeborenen zu-sammenfasst.

Die Erscheinungen von Seiten der Kinder sind äusserst gering. Sie liegenapathisch da, nehmen die Brust nicht und schreien nicht kräftig und laut, sondernnur kläglich und wimmernd.

Der Schwerpunkt liegt in der Prophylaxis, in. der strengsten Reinlichkeitbeim Abnabeln. Kam trotzdem eine Erkrankung vor, so ist das beste, strengeantiseptische Massregeln bei der Abnabelung der Neukommenden anzuordnen:nämlich den Nabelstrang und die Bauchfläche mit Sublimat 0,5l°/o resp. Chlor-zinklösung (5%) abzuwaschen und den Strangrest in eigens gereinigte und ausge-kochte Läppchen, auf welche Jodoform oder besser Bor-Vaseline gestrichen ist,einzuhüllen.

Auch Nabelblutungen können aus der Wunde stammen. Wir meinenhier nicht die Nabelschnurblutungen, die immer durch einen Fehler der Hebamme