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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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Excretionen der Wöchnerinnen. 235

und Verschwellung der Urethra. Sie kann auch vorkommen, weil dieBlase durch den Wegfall des gewohnten Widerstandes sich ins Unge-messene ausdehnt und kein Drang zum Entleeren ausgelöst wird.

Die Darmentleerung ist bei Neuentbundenen auf einige Tageganz ausgeschaltet; es dauert gewöhnlich 34 Tage, ehe der ersteStuhlgang von selbst erfolgt. Die Ursache für diese Erscheinung liegtin dem Wegfall der Bauchpresse. Die Darmbewegung ist nicht unter-brochen, wahrscheinlich nicht einmal eingeschränkt; denn der Inhaltdes Darmrohrs wird immer weiter geschoben. Das fühlt man an demoft übermässig ausgedehnten Rectum. Aber aus diesem wird er nichtentleert, kann er nicht entleert werden, weil die Möglichkeit zur An-strengung der Bauchpresse fehlt. Die Fäces werden dadurch immerhärter, ihre Absonderung immer schwieriger.

Meistens muss durch Eingeben von Oleum Ricini und Klystierenachgeholfen werden. Man vermeide die Verordnung von Natron undMagnesia sulphurica und ähnlichen sogenannten Mittelsalzen, weil diesenicht nur in dem Rufe stehen, sondern denselben auch verdienen, dieMilchsecretion einzuschränken.

Die Milchsecretion.

Eigentlich ist die Milchspende gerade die Hauptaufgabe dergesunden Wöchnerin. An den zwei ersten Tagen pflegt nicht vielSecret vorhanden zu sein. Doch ist es gut und nothwendig, das Kindan die Brust zu legen und mit den Versuchen zu beginnen, sobald das-selbe vom ersten Schlaf erwacht. Ungefähr am dritten Tage scbiesstdie Milch ein, d. h. die Brust wird gross, hart, geschwollen, hebt sichoft mit steilem Rand wie eine aufgelegte Halbkugel vom Brustmuskelab. Schon das Ansehen der gespannten Haut, durch welche die Venenbläulich durchscheinen, ist oft mitleiderregend, und man glaubt denFrauen auf ein Wort, dass die Berührung schmerzhaft sei. DieserCongestivzustand erfolgt eigentlich bei den Nichtstillenden mehr und istviel quälender. Aber auch die Säugenden spüren an diesen Tagen einebedeutende Veränderung. Doch geht die ganze Schwellung und Con-gestion innerhalb ein- bis zweimal 24 Stunden vorüber und zwar ge-wöhnlich unter reichlicher Milchabsonderung. Im Kleinen wiederholtsich beim Anlegen der Kinder reflectorisch einEinschiessen". DieMilch träufelt von selbst aus der Warze aus. Es wird dabei von Seitender Stillenden ein Gefühl von Rieseln in beiden Brüsten empfunden(Kehrer, 4. Heft p. 39).

Die Quantität des Abgesonderten ist nun wesentlich abhängig vonder Saugkraft des Neugeborenen. Gassner machte darüber Bestim-mungen, die aber sicher nur ganz approximativen Werth haben, undfand bei 3 Wöchnerinnen die innerhalb von 8 Tagen entleerte Milchzusammen 2,15 kg.

Die Menge der Milch ist mit dem Reiz des Saugens in Zusammen-