234 Puls, Respiration und Excretionen.
ergeben. Selten ist es, dass die gewöhnlichen Einflüsse die Körper-wärme über 38° C. treiben, und schon bei den subfebrilen Tempera-turen weiss man nie, was der folgende Tag bringen kann: fast ebensooft als einen Abfall auch eine beträchtliche Steigerung. Die fortge-setzte Verschärfung der localen Therapie und der dazu nöthigen, bal-digen Untersuchungen bringt immer mehr Einschränkungen der früherbeliebten, weiten Grenzen in Beziehung auf die Körperwärme derWöchnerinnen, weil man dadurch immer mehr auf bestimmte Anlässedes Fiebers aufmerksam wird. Dadurch kommt man dazu, bei 37,9° C.Achselhöhlentemperatur die Labien zu entfalten und ein kleines, altesCoagulum u. dergl. zu entdecken und durch dessen Entfernung alleweiteren Störungen abzuschneiden.
Nach meinen Erfahrungen ist bei Temperaturen über 37,6 bis37,7° C. (Achselhöhle) immer etwas ausser Ordnung. Nur kann mannicht immer die Ursachen entdecken, und sind die Steigerungen in derRegel so vorübergehend, dass schon der folgende Tag wieder fieber-frei sein kann.
Der Puls der Wöchnerinnen ist gewöhnlich langsamer alssonst. Es gibt sogar sehr niedrige Pulsfrequenz zwischen 40—56, jasogar bis zu 34 in der Minute. Die Arterienspannung ist nichtvermehrt (Fritsch, Löhlein, Meyburg). Die Ursache der Verlang-samung ist nicht aufgeklärt. Sie ist nicht ausschliesslich Folge derphysischen und psychischen Ruhe; doch ist nach den Sphygmographen-Curven von Meyburg eine grössere Stase in den Unterleibsvenen unddadurch verlangsamte Circulation möglich. Olshausen wies auf Fett-resorption und Fettembolie als Ursache der Pulsverlangsamung hin.Der erste Herzton wird häufig in ein sanft hauchendes Geräuschverwandelt.
Die Respiration ist nicht wesentlich verändert, die Lungen-capacität nimmt zu.
Die Excretionen sind, soweit sie flüssig sind, vermehrt(Schweiss und Harn), der Stuhl retardirt. Die Wochenschweissesind altberühmt; an ihnen freuten sich die Geburtshelfer alter Zeit, ihrZurücktreten war ihnen ein ominöses Zeichen. Man sieht eigentlich,seitdem die überheizten, dumpfen Wochenstuben verschwunden sind,nicht mehr viel davon. In den luftigen, gut ventilirten Sälen derneueren Entbindungsanstalten kann man nur selten eine Wöchnerinmit Schweissperlen treffen.
Die Harnausscheidung ist in der ersten Woche nicht unbeträcht-lich vermehrt. Die Vermehrung kann nach den Versuchen von Schatzmit dem erhöhten und erniedrigten Abdominaldruck als Folge der Ent-lastung der Nieren angesehen werden.
Die Harnst off menge ist nicht vermehrt.
Häufig erscheint im Urin Zucker und zwar Milchzucker, durchResorption vom Secret der Brustdrüse (Plot, Hempel, Johannowsky,P. Kaltenbach).
• Harnverhaltung ist meist die Folge von starker Quetschung