230 Die Rückbildung der Gebärmutter-Muskulatur.
Tagen hat immer ein mehr oder weniger gelbliches Aussehen, und diemikroskopische Untersuchung bestätigt auch die Vermuthung nach demmakroskopischen Aussehen.
Wenn man bedenkt, dass eigentlich überall im Körper die Ver-fettung der Organe, also hier der Muskelelemente des Uterus, alsUntergang der Zellen aufzufassen ist, und dass dieser Untergang unterVerfettung die Regel bildet, wo Organe oder Organtheile innerhalbdes Körpers ausser Ernährung gesetzt werden, so ist auch der Schlussberechtigt, dass sich eigentlich der Uterus durch seine energischenContractionen selbst ausser Ernährung setzt, resp. die Ernährung ein-zelner Bestandteile so herabsetzt, dass diese regressiver Metamorphoseverfallen. Wenn wir uns die Erscheinungen vergegenwärtigen, sostimmt auch klinisch das Verhalten überein. Alle Uteri, welchewährend der Geburt oder während des Wochenbettes sich nichtenergisch contrahiren, bei denen ein Anlass zu kräftigenZusammenziehungen mangelt, machen nicht die normale, d.h.ebenso rasche und ebenso ausgiebige Rückbildung durch. Wirsehen bei Sturzgeburten etc., aber ebenfalls nach Retention von Eihaut-resten, nach Fieber im Wochenbett, theilweise auch nach dem Unter-lassen des Selbststillens eine mangelhafte Rückbildung folgen, weil hie-bei die obige Voraussetzung eintrifft.
Die resorbirte Menge des Uterusgewebes ist ganz bedeutend,wenn man bedenkt, dass innerhalb 2 Wochen ungefähr 1 Pfund Ge-webe der Resorption anheimfällt.
Die Gewichts- und Grössenverhältnisse werden folgendermassen angegeben.Nach der Geburt wiegt die Gebärmutter durchschnittlich 1 kg, nach 2 Tagen noch750 g und ist 19 — 21 cm lang und 11 cm breit. Die Wandstärke beträgt am Fundus3—4 cm. Am Ende der ersten Woche ist das Gewicht 500 g und die Länge 13bis 16 cm. Nach 14 Tagen ist das Gewicht 350 g, die Länge 13cm, die Wand-dicke 1 cm. Nach 6 Wochen hat der Uterus seine frühere Grösse wieder erreicht.Stärker, massiger als während der Jungfrauschaft bleibt er immerhin; sein Gewichtbleibt bei 100 g, der jungfräuliche Uterus wiegt 30 g-
Eine besonders wichtige Frage ist es, wie sich die Kegenerationder contractilen Elemente macht. Nach Sänger gehen die Muskel-fasern, welche in körnigen Verfall gerathen, nur theilweise unter, aufeiner gewissen Stufe der Rückbildung machen sie Halt, und der Restbleibt als Muskelzelle für die Zukunft aufbewahrt. Gewöhnlich ver-kleinern sich die Muskelzellen nicht wieder so vollkommen, wie siewaren, so dass der Uterus einer Mehrgebärenden durchweg etwas grösserbleibt, als der jungfräuliche war.
Peritonealüberzug, Gefässe und Nerven nehmen an der Rück-bildung Theil.
Für den Practiker haben nun die makroskopischen Grössenver-hältnisse noch mehr Bedeutung, als die geschilderten inneren Vorgänge.
Der Uterus steigt nach Ausstossung der Nachgeburt, währender bei fester Contraction mit dem Fundus in der Mitte zwischenSymphyse und Nabel steht, wieder höher und erreicht in ca. 6 Stunden