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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
229
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Die Wochenfluss-Absonderung. 229

ist der Äusfiuss eitrig die Lochia heisst jetzt alba oder purulenta.Unmöglich ist es, die Tage genau anzugeben, in denen der Wechselgeschieht; denn dieser vollzieht sich allmählich. Man nimmt an, dassbei normalem Verlauf ungefähr 3 Tage lang Lochia rubra erscheint.Die serösen Lochien vom 3. bis 8. Tage enthalten schon viel Albumin,Mucin, verseif bares Fett, Chlor- und Phosphorverbindungen. IhreReaction ist alkalisch. In der 2. Woche hat man die Lochia alba mitFett, Cholestearin und einzelnen jungen Bindegewebszellen.

Von der grössten Bedeutung ist das Vorkommen der Spaltpilzein den Lochien. Früher hiess es, dass nach wenig Tagen Spaltpilze inden Lochien auftreten und zwar pathogene, denn die Impfung mitLochien brachte den Thieren septische Infection.

Dies galt von den Lochien, wie sie zu Tage treten oder in derScheide zu finden sind, nicht aber für die Absonderung der Gebär-mutterhöhle. Die Untersuchungen meines Assistenten Döderlein,welche von Winter, von Ott, von Czerniewski bestätigt wurden,ergaben, dass in der Gebärmutterhöhle bei vollkommen gesund-heitsgemässem Verlauf eine sehr geringe Absonderung stattfindet, Eiter-zellen sehr spärlich sind und Spaltpilze daselbst nicht vorkommen.Dagegen erfolgt regelmässig eine Beimischung von Spaltpilzen in derVagina, selbst bei gesunden Frauen.

Anmerkung. Damit klärt sich vieles auf, was bisher räthselhaft erschien.Weil man annahm, dass der Woclienfluss gerade so voller Spaltpilze aus dem Uterusgelange, wie sie sich in der Scheide vorfanden, war es ganz unerklärlich und wider-spruchsvoll, dass im Uterus, wo eine resorptionsfähige Fläche und ansteckungs-fähige, pathogene Spaltpilze neben einander waren, nicht bei jeder WöchnerinFieber eintrat. Jetzt ist dies verständlich. Da wo bei jeder Wöchnerin eine Wundeist im Uterus sind in der Regel keine Spaltpilze. Die Scheide dagegen, woSpaltpilze bis jetzt unvermeidlich waren, ist normal so dehnungsfähig, dass in der-selben Wunden seltener entstehen.

Was die Quantität der Lochien betrifft, so sind dieselben nachIndividualität und dem Verhalten des Genitaltractus' sehr verschieden.Die mittlere Menge ist von Gassner durch mühsame Untersuchungenbestimmt worden und zwar für die L. cruenta 1. 3. Tag 1 kg, fürdie L. serosa am 4. und 5. Tag 0,28 kg, für die L. alba 6.-8. Tag0,205 kg, so dass zusammen in 8 Tagen ca. 1,485 kg abgesondertwird. Bei Stillenden war durchschnittlich der Woclienfluss geringerals bei nicht Stillenden (1,085 : 1,088 kg).

Auch die Gebärmuttermuskulatur, die Wanddicke des Uterusmacht eine ausserordentliche Metamorphose durch. Gar nirgends gibtes innerhalb der Physiologie einen ähnlichen Vorgang, wo ein grosses,pfundschweres Organ innerhalb ganz kurzer Zeit in des Wortes eigent-licher Bedeutung untergeht, und zum grössten Theil aufgesaugt wird.

Schon bei der Besprechung der Schwangerschaft haben wir an-geführt, dass die einzelnen Muskelfasern sich ausserordentlich ver-grössern. Diese reich verzweigte Muskulatur geht nun im Wochenbettin fettiger Metamorphose unter. Ein puerperaler Uterus von einigen