Stickstoffoxydul-Sauerstoff-Narkose. 221
schon die verschiedenen Apparate, z. B. der Henry-Junker'sche, unteranderen Verhältnissen sehr vortheilhaft sind. Die letzteren sind derVortheile bar, sowie man sie in ungeübte Hände legen muss, und siegestatten dem Arzte nicht einen ebenso bequemen Blick über den Zu-stand der Narkose wie die einfachen Bügel. Aus demselben Grundegeben wir auch den letzteren den Vorzug vor einem zusammengefaltetenTaschentuche.
Wir müssen freilich hervorheben, dass das Junker'sche Gebläsesehr viel Material spart, eine Hautreizung durch abfüessendes Chloro-form vermeidet und den Geruch weniger im ganzen Zimmer verbreitet.Es entstehen gelegentlich bei längerem Chloroformiren zur Nachtzeithässliche Dämpfe durch Zersetzung des Chloroforms in den Petroleum-und Gaslampen, welche Dämpfe den Athemwerkzeugen sehr lästigwerden und zum Husten reizen. Auch diese Unannehmlichkeit ist vielgeringer bei Anwendung des Junker'schen Apparates. Auf alle Fällemuss man zur Vermeidung dieser Dämpfe gut ventiliren und dasChloroform nur in massigen Quantitäten aufgiessen, resp. das über-schüssige wieder abschütten, bevor man den Bügel vor die Nase hält.
Dem Chloroform gegenüber spielen Chloralhydrat und Mor-phium nur eine secundäre Rolle. Von einzelnen Autoren wird das Chloralals schmerzmildernd sehr empfohlen. Diese Mittel werden sich kaumeinbürgern, weil ihre Dosirung dem individuellen Bedürfniss nicht leichtangepasst werden kann. Die übrigen Anaesthetica, Aether, Bi-chlormethyl, sind von ziemlich gleichem Werth wie Chloroform, nurden Vortheil haben sie voraus, dass sie den Blutdruck nicht herabsetzen.Seit Jahren benütze ich in der hiesigen Klinik das Billroth'sche Ge-misch (100 Chloroform : 30 Aether : 30 Alkohol, Volumtheile) und findedasselbe vorzüglich, indem die Narkosen ruhiger sind und Anfälle vonAsphyxie und von Herzschwäche nicht mehr vorkommen.
In der ersten Auflage konnte ich nur noch mit einigen Wortenden eben erschienenen Aufsatz von Klikowitsch berücksichtigen, derdas Gasgemisch von Paul Bert, bestehend aus Stickstoffoxydulund Sauerstoff im Verhältniss von 80:20 Volumprocenten,in die geburtshülfliche Praxis eingeführt hatte.
Seit Anfang 1885 hatten wir die ganze Einrichtung zur Herstel-lung des betreffenden Gasgemisches in der Erlanger geb. Klinik regel-mässig in Gebrauch. Die Wirkung dieser künstlichen Atmosphäre,in welcher jedoch der Stickstoff durch Lachgas ersetzt wird,ist ganz vorzüglich. Die anästhetische Wirkung ist ganz die desStickstoffoxyduls, aber der Zusatz von Sauerstoff macht das Gasgemischathmungsfähig, dieser Zusatz vermeidet die schweren, beängstigendenAnfälle von Cyanose und Erstickungsgefahr, welche dem Stickstoffoxydulin der practischen Verwendung ganz enge Grenzen zogen. Es war nichtmöglich, dasselbe anderswo zu benützen als bei Zahnextractionen oderähnlichen, im Augenblick vollendbaren Operationen, weil man durchdie Cyanose immer gezwungen war, die Einathmung rasch zu unter-brechen. Das ist durch die Beimischung von Sauerstoff vollständig