214 Wiederbelebung asphyctischer Neugeborener.
Noch wird unterschieden zwischen blauem und bleichem Scheintod.Der letztere ist bedeutend hochgradiger, prognostisch schlimmer; beimersteren ist die Haut von dem dunkeln Erstickungsblut blau durch-scheinend.
Nun ist „Asphyxie" gar kein glücklich gewählter Name; denn erbedeutet Pulslosigkeit (6 atpoyjxö? der Puls), was der Erscheinung ganzdirect widerspricht. Besser ist die Bezeichnung Dysapnoe, weil indem Wort ttvoy] der Begriff des Athemholens, der Inspiration, liegtund dieses Wort die „Athemlosigkeit in prognostisch schlechtem Sinne"bedeutet. Die Aufgabe der Wiederbelebung solcher scheintodter Kinderist, die Herzthätigkeit zu heben und die Athmung in Gang zubringen.
Planlos darf man die Mittel nicht anwenden, wenn man Erfolghaben will, und zurecht muss alles schon sein, was man behufs derWiederbelebung braucht.
Vergegenwärtigen wir uns, wodurch die Kinder asphyctisch werden,so sind es meistens vorzeitige Athembewegungen. Den Theorienund verschiedenen Erklärungen gehen wir an dieser Stelle aus demWege. Die vorzeitigen Inspirationen führen der ungeborenen Fruchtnicht atmosphärische Luft zu, sondern den Inhalt des Fruchthaltersoder der Scheide, d. h. gerade der Stelle, an welcher sich der Mundzur Zeit der Athembewegung befindet. In die Luftwege tritt Schleim,Meconium und Fruchtwasser. Kommt nun das Kind zur Welt, sohat es gleichsam Pfropfe in Trachea und Bronchien, die den Luftein-tritt in die Lungen hemmen. Macht es den ersten tiefen Athemzug,so saugt es diesen Schleim noch tiefer in die Luftwege ein und gehtdarob an Erstickung zu Grunde.
Die erste Hülfe zur Wiederbelebung besteht also in einer mög-lichsten Ausräumung des Schleimes aus den Luftwegen, umdie Bahn frei zu machen für den ersten noch zu erwartenden Athem-zug. Nun ist das Auswischen des Schlundes mit einem feinen Läpp-chen zwar nützlich, aber ungenügend; es muss die Trachea selbstvom Schleim befreit werden durch Aussaugen mittels eines elasti-schen Katheters. Man hält einige kleinere Exemplare von 3—4 mmDurchmesser zurecht, führt dieselben beim scheintodten Kind in dieTrachea einige Male tief ein und saugt den Schleim heraus. DieseKatheterisation der Luftwege geht nur beim tief asphyctischen und des-wegen vollständig reactionslosen Kind. Sowie das 'letztere sich etwaserholt hat und auf Reize reagirt, ja selbst bei den Neugeborenen mitblauem Scheintod schliesst sich die Glottis reflectorisch auf die Be-rührung mit dem Finger und Katheter. Hier muss das Einführen unter-lassen werden, weil ein Erzwingen den Kehldeckel und die Stimmritzeverletzen könnte. Es ist bei solchen Kindern auch nicht mehr nöthig.Denn wo Reflexe vorhanden sind, hat man nicht die höchsten Gradevon Scheintod und solche Kinder erholen sich wieder.
Sind die Luftwege frei gemacht, so wird künstlich Luft in dieLungen gebracht. Dazu gibt es eigens construirte „Luftspritzen".