Die Verhütung der Augenentzündung Neugeborener. 211
sicher recht bedeutend Blut verlieren, ja sich verbluten können. Je später aberdas Durchschneiden erfolgt, je mehr der Puls der Umbilicalarterien gesunken ist,um so geringer muss der Blutverlust sein. In der forensischen Literatur existirenBeispiele, wo der Nabelstrang hart am Nabel abgeschnitten, und trotzdem das Kindnicht daran gestorben war. Wir hatten diese Frage zu entscheiden bei einem 33 cmlangen Schnurrest; das betreffende Kind hatte die Lungen ganz voll Luft. Eswurde im Gutachten die Frage nach Verblutung im concreten Fall verneint. Ichhalte es auch nicht für möglich, dass bei ungehinderter Athmung ein Kind sichaus einem so langen Stück verbluten könne, und habe versuchsweise einmal dennoch pulsirenden Strang bis 33 cm mit der Scheere durchgeschnitten. Es flössenauf kurze Zeit einige Tropfen Blut aus, die für das Wohlbefinden des Kindes ganzbedeutungslos waren.
Inhaltsübersicht.
1) Die Abnabelung besteht in dem Umlegen zweier Unterbindungen,zwischen denen der Nabelstrang durchschnitten wird.
2) Das Unterbindungsmaterial ist gleichtverthig, wenn es den Strangnicht durchschneidet und ganz rein bezw. desinficirt ist. Das letztere istnolhwendig, damit sich das Kind keine Nabelentzündung und zwar durchpyogene Ansteckung zuziehe.
3) Der richtigste Zeit-punct der Abnabelung ist nach der Ausstos-sung der Placenta. Dann erst hat das Kind all sein Blut aus derNachgeburt an sich gezogen. Wenn die Nachgeburt lange nicht erscheint,so ist diese Spätabnabelung nicht durchzufuhren. Mindestens muss jedochgewartet iverden, bis der Puls im Strang bis zum Nabel heran erloschen ist.
Die Prophylaxis gegen die Ophthalmoblennorrhoe derNeugeborenen.
Literatur.
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— Felsenreich: A. f. G. Bd. XIX. p. 405.— Hecker: A. f. G. Bd. XX. p. 386.
— Haussmann: Die Bindehautinfection der Neugeborenen. Stuttgart 1882. —Schirmer: C. f. G. 1882. p. 209. A. f. G. Bd. 22. p. 318- — Zweifel: A. f. G.Bd. 23. p. 325. - Krukenberg: A. f. G. Bd. 22. p. 329. - Fürst: C f. G.1883. Nr. 34. — Bröse: C. f. G. 1883. p. 805. — Leopold u. Wessel: A. f. G.Bd. 24. p. 89. — Bumm: Der Mikroorganismus der gonorrhoischen Schleimhaut-Erkrankungen. Wiesbaden 1885. — Ernst Cohn: Z. f. G. u. G. Bd. 13 p. 312. 1886.
— Dethlefsen: Das Crede'sche Verfahren u. Verhaltung der Organe. Diss. inaug.Kiel 1888. — Nebel: Z. f. G. a. G. Bd. 14. p. 185. — Ahlfeld: ebend. p. 435.—Korn: A. f. G. Bd. 31. p. 240.
Die Augenärzte haben schon seit langem die Blennorrhoen derNeugeborenen mit Argentum nitricum erfolgreich behandelt. Die altenguten Erfahrungen gaben Crede den Anstoss, eine Prophylaxisgegen die Blennorrhoe durch Einträufeln einer 2 °/o igen Lö-sung von Arg. nitr. einzuführen. Gleich nach der Geburt und nachder gewöhnlichen Reinigung des Gesichtes und der Augen wird auseinem Tropfglas ein Tropfen obiger Lösung in den Conjunctivalsack