Die Zeit zur Ausführung des Crede'schen Handgriffes. 207
Lochien ab; drittens können dem erwähnten Handgriff vermehrte Blu-tungen nicht zur Last gelegt werden. Ja es gibt Fälle, wo man eherdem passiven Verharren einen stärkeren Blutabgang zuschreiben müsste,weil die noch im Geburtskanal liegende Placenta die Retraction desUterus zu hemmen im Stande ist. Das gilt nun allerdings nur von derrichtigen Anwendung des Crede'schen Handgriffes. Derselbe sollaber, da auch die Lösung meistens nicht voran zu erwartenist, frühestens nach Ablauf von 15—20 Minuten erfolgen. Wirhaben in der hiesigen Klinik eingeführt, dass nach der Geburt zunächsteine Viertelstunde gewartet werde. Erscheint die Placenta bis dahinnicht, so hat doch der Puls im Nabelstrang aufgehört. Es kann derselbeabgebunden und zunächst das Kind besorgt werden. Dazwischen wirdder Uterus immer wieder auf seine Härte untersucht. Die Pflegedes Kindes nimmt so viel Zeit in Anspruch, dass nahezu eine Stundeverstreicht und die Expressionsversuche niemals zu früh kommen. Istdann aber die Placenta nicht erschienen, so wird mit der Expres-sion begonnen.
Sitzt die Nachgeburt noch ganz fest an der Haftfläche des Uterus,so hat hier der Crede'sche Handgriff den Vortheil, dass erdieselbe auch zu lösen vermag. Das wird aber nothwendig, wenneinmal die Placenta über eine Stunde lang trotz kräftiger Wehenzurückgehalten wurde.
Dazu gönne man sich und der Entbundenen Zeit und hüte sichvor ungestümem Drücken und Kneten. Darauf zielt der oben ge-gebene Wink, dass oft in 5—10 Minuten ganz leicht gelingt, was derAugenblick selbst bei heftigstem Drücken versagt. Wie ersichtlich,kommt also auf den Punkt, ob die Placenta von der Haftfläche gelöstsei oder nicht, Alles an.
Woran ist nun dies zu erkennen? Entweder durch directes Nach-fühlen per vaginam längs des angespannten Nabelstrangs, oder nachAhlfeld's Angabe, dass sofort nach dem Austritt des Kindes durchein kleines Hackenzängelchen (Serre-fine) die Stelle des Nabelstranges,welche sich gerade in der Schamspalte befindet, markirt und dannbeobachtet wird, ob und wie viel der Nabelstrang beim Tiefertretender Nachgeburt vorrückt (bis 12 cm).
Viel bequemer und praktischer kann man durch einen Druckunmittelbar unterhalb des contrahirten Corpus uteri erfahren,ob die Placenta gelöst ist oder nicht. Nur die von der Haftflächegelöste rückt auf diesen Druck hin tiefer (Schröder). Die noch fest-sitzende weicht mit dem Corpus uteri nach oben aus. Beides kannman bequem erkennen aus einem Vorrücken, bezw. Zurückschlüpfendes Nabelstranges.
Inhaltsübersicht.
1) Der oberste Grundsatz ist zunächst, die natürliche Austreibungs-thätigkeit des Uterus und der Bauchpresse abzuwarten. Tritt keineBlutung auf, so soll zuerst abgenabelt, dann das Kind besorgt und mir