206 Die ältere Methode zur Entfernung der Nachgeburt.
Diese alte Methode, deren Ursprung sich in die graue Vorzeitverliert, ist recht gut ausführbar und erfolgreich, wenn man nur sicherist, dass die Placenta gelöst ist. Wenn man nach dem Muttermunds-saum fühlt, ist dies zwar nicht schwierig und doch zu schwierig, umden Hebammen überlassen zu werden. Denn selbst wenn die Placentanoch über den Muttermund hinaufreicht, kann sie doch vollständiggelöst im Cervicalkanal und der Dehnungszone des unteren Uterin-segmentes liegen. Darauf hat schon Spiegelberg aufmerksamgemacht.
Es ist nicht so ganz einfach, diese Fälle von denen zu unter-scheiden, wo ein Segment des Kuchens bis zur Haftfläche hinaufreichtund dort noch festsitzt. Wer aber diese Verhältnisse nicht zu unter-scheiden vermag, der kommt unversehens in die Uterushöhle hineinund unwillkürlich zur manuellen Lösung von der Haftfläche. Dadurchwird aber aus dem Eingriff eine recht bedeutungsvolle Operation.Dieser Nachtheil des Verfahrens, dass es leicht zu Uebergriffen ver-leitet, gilt ebenso sehr für Aerzte als für Hebammen. Der Haupt-grund, warum dasselbe gegenüber den rein äusseren Handgriffen zurück-steht, liegt in der geringeren Infectionsgefahr .der letzteren.
Jüngst ist von Schröder ein neues Verfahren angegeben worden.Ausgehend von der schon früher bekannten, z. B. schon von Spiegel-berg erwähnten Thatsache, dass die Placenta oft nicht bis zur Scheidevorrückt und doch gelöst ist, indem sie dann ganz oder theilweise indem Cervicalkanal und dem unteren Uterussegment liegen bleibt, schlägtSchröder vor, unterhalb des contrahirten Fundus uteri, alsodicht über der Symphyse auf die gelöste Placenta zu drücken unddurch den Druck dieselbe heraus zu befördern. Auch dieser Handgriffhat den Vortheil, dass keine Finger in die Genitalien eingeführt werdenmüssen.
Die Frist nach Minuten anzugeben ist a priori falsch, weil esdarauf ankommt, wann die Placenta ganz von der Haftflächegelöst in den schlaffen Raum des Geburtskanals herabgetrieben wordensei. Das variirt nun ausserordentlich. Aber die Zahlen von Kabierskeund von Campe geben gar nicht diesen Zeitpunkt an, sondern dender spontanen Ausscheidung aus der Vagina. Meistens ist die Placentainnerhalb x /i Stunde post partum schon gelöst. Es reichen einigekräftige Contractionen aus. Freilich ist es zunächst die Placentafoetalis, welche sich ablöst. Der Eisack klebt oft noch an den Wän-den und damit hier die Decidua nicht abgestreift werde und in grossenFetzen zurückbleibe, muss ein brüsker Druck oder Zug vermiedenwerden. Dem Crede'schen Handgriff ist nun der Vorwurf gemachtworden, dass er zu dem Abstreifen der Decidua wesentlich beitrage,dass die Deciduafetzen dann zu Blutungen und durch ihre Zersetzungzu septischer Infection Anlass geben. Diese Annahme hat sich nichtbestätigt. Erstens kommt oft genug auch bei spontanem Austrittdas Abreissen und Zurückbleiben von Decidua vor; zweitens bedingtdies durchaus nicht immer Fieber, sondern diese Reste gehen in den