Der Crede'sche Handgriff. 205
Die Ausführung des Handgriffes.
Es wird eine Hand auf den Fundus uteri gelegt; vier Fingerberühren die hintere Wand der Gebärmutter, der Daumen die vordere,und die Contraction wird durch massiges Zusammendrücken der Handunterstützt. Man gönne aber der Kreissenden einige Zeit und erzwingedie Austreibung nicht. Unter einem leichten Druck soll die Placentain der Schamspalte erscheinen. Um die Eihäute vollständig zu ent-fernen, wird der Mutterkuchen mit beiden Händen gefasst, mehrmalsumgedreht, damit sich die Eihäute zu einem Strang aufwickeln, andem man sorgfältig ziehen kann. Wenn sich ein Hinderniss geltendmacht, so ist es gewöhnlich eine im gleichen Augenblick verlaufendeZusammenziehung oder eine Vorwärtsbeugung der Gebärmutter. Beideswird von einer aufgelegten Hand erkannt, eventuell verbessert. Natür-lich muss man dann mit dem Ziehen einhalten bis nach Ablauf derContraction.
Bei sehr fetten Frauen oder alten Mehrgebärenden mit grosserGebärmutter kommt eine Handfläche an die hintere, die zweite Volamanus an die vordere Seite der Gebärmutter.
Die Entfernung der Nachgeburt kommt auf diese Weise fastimmer zu Stande und zwar mit dem unübertrefflichen Vortheil,dass kein Finger in die Genitalien eingeführt zu werdenbraucht. Dies gilt besonders den Hebammen, die für alle Zeiten beider beschränkten Ausbildung den Kern der antiseptischen Prophylaxisdes Puerperalfiebers nicht verstehen lernen. Je mehr man ihnendie Gelegenheit zum Inficiren entzieht, um so besser wirddie allgemeine Mortalitätsstatistik.
Ein zu starkes Abwärtsdrängen gegen den Beckenausgang istschädlich; ich glaube, dass man damit sogar eine Inversio uteri er-zeugen kann. Sollten gelegentlich die Eihäute abreissen, so halte derArzt eine lange Polypenzange zurecht, mit der jene am Muttermundgefasst und durch vielfaches Umdrehen von neuem zu einem Stranggedreht werden.
Das leichte Drücken hilft nicht immer gleich. Dann lasse manes nur nicht an der nöthigen Geduld fehlen. In 5, in 10 Minutengelingt auf einen leichten Druck, was in demselben Augenblick nichtzu erzwingen ist.
Die ältere Methode zur Beseitigung der gelösten Pla-centa ist noch in weitesten Kreisen bei den Hebammen üblich, ja siewird in einzelnen Hebammenanstalten heute noch gelehrt. Es wirddabei mit einer Hand der Nabelstrang straff angezogen und damit diesmöglich sei, derselbe erst mehrmals um den Finger gewickelt. ZweiFinger der anderen Hand werden dem Strang entlang in die Genitalieneingeführt bis zu seiner Einpflanzungsstelle in die Placenta. Da werdendiese Finger eingesetzt und unter einem nach hinten unten gegen dasKreuzbein gerichteten Druck und gleichzeitigem Zug am Nabelstrang wirddie Nachgeburt aus der Schamspalte hervorgedrängt und hervorgezogen.