198 Das Nähmaterial.
jeder Wundbelag muss verschwunden sein und die Flächen das frisch-rothe Aussehen guter Granulationen angenommen haben, ehe man nähenkann. Dieser Zeitpunkt ist durchschnittlich am 8. Tag des Wochen-bettes erreicht. Zur Dämpfung der Schmerzen rathe ich hiebei unbe-dingt, die Chloroformnarkose anzuwenden. Im übrigen ist das Ver-fahren wie bei jeder anderen Dammnaht.
Die verschiedenen Nahtverfahren.
Bis jetzt hat man eigentlich zur Vereinigung des gerissenenDammes nur die Wundnaht mit ihren verschiedenen Modificationen unddie Serre-fines von Vidal de Cassis zur Anwendung gebracht. Ge-rade von den letzteren ist aber immer zu sagen, dass sie nur die Hautsicher in Berührung bringen und also nur für oberflächliche Risse einigeSicherheit bieten. Ein in die Tiefe reichender Riss muss zur vollstän-digen Anpassung unbedingt genäht werden. Aber auch die Serre-finesdrücken, wenn sie länger an derselben Stelle liegen, die Haut durchund müssen aus diesem Grunde häufig gewechselt werden. Würde eineandere Vereinigungsart als die Naht gefunden, welche sicher genugwäre, um in der grossen Mehrzahl Heilung zu erzielen, so hätte diesfür die einfachen Dammrisse den grossen Vortheil, dass dann nur sehrwenige unvereinigt und ungeheilt bleiben würden. Denn das Haupt-hinderniss gegen die allgemeine Anwendung der Naht liegt in derSchmerzhaftigkeit derselben. Mit den Serre-fines ist aber diesemHinderniss gegenüber nicht viel gewonnen. Wenn auch das Anlegender Zängelchen weniger weh thut, als das Durchstechen einer Nadel,so kommt dieser Schmerz um so häufiger vor, da man die Serre-fineswechseln muss.
Nun machen die von der Scheide aus gelegten Nähtenicht so viel Schmerz, als die am Damm, und es ist denkbar,dass man selbst etwas tiefer gerissene Rupturen ohne Schmerzen zursicheren Verheilung bringen kann, indem man von der Vagina ausmehrere tiefe Nähte führt, welche die Muskeln vereinigen und dassman dann die Dammhaut nur durch Pflaster und Jodoform-Collodiumaneinander hält.
Ich habe probeweise dieses Verfahren 3mal angewendet und 2malglatte Heilung erzielt, wobei viel Schmerz erspart wurde.
Die Anlegung der Serre-fines ist eine so einfache, dass Valentasich dafür aussprach, diese Instrumentchen den Hebammen in die Händezu geben.
Von den Nahtverfahren ist schon benützt worden:
1) die einfache Knotennaht aus Seide oder Catgut u. dergl.,
2) die Kürschnernaht (fortlaufende Naht),
3) die Silbernaht,
4) die Balken- oder Plattennaht,
5) die Hasenschartennaht,
6) eine Naht, bei welcher an beiden Enden des Silberdrahtes zum