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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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197
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Die Spätnaht im Wochenbett. 197

Stande kommen. Fraglich ist es, ob man dies nicht durch künstlichesAneinanderlegen der granulirenden Wundflächen befördern könne. Unterdiesem künstlichen Aneinanderlegen wird gewöhnlich die Wundnahtgemeint. Darüber sind nun die Autoren nicht gleicher Meinung. DieNaht des granulirenden Dammrisses ist von Holst vom 5.—10. Tage,von Legros am 13. post partum angewendet worden. Auch Hilde-brandt sah durch die am 10. Tage wiederholte Naht eine Heilung ohneirgend welche Nebenumstände eintreten, und dennoch spricht er sichdagegen aus, erstens weil dies wohl nur als günstiger Ausnahmefallgelten könne, und weil im Wochenbett gerade durch die Stichkauäleeine Einimpfung der septischen Lochien stattfinden könnte. Er schliesstsich darin ganz Hegar an.

Hätte man eine ausreichend verlässliche Vereinigung, ohne dassdurch die Stichkariäle Impfstellen gesetzt werden müssten, so würdeauch der letzte Einwand gegen die späte Dammnaht im Wochenbettbeseitigt sein.

Eine solche Methode gibt es aber bis jetzt nicht. Die oberfläch-liche Vereinigung mit Serre-fines ist durchaus nicht sicher. Pflaster,die anderswo die Wundnaht vielfach zu ersetzen vermögen, sind amDamm nicht zu verwenden. Alle Pflaster, heissen sie Leim- oder Heft-pflaster, halten an dem mit Blut und Lochien beständig überflossenenDamm nicht fest.

Für die späte Wochenbettdammnaht ist aber, wenn diegerissenen Flächen wieder frisch granuliren, die Gefahr einer Infectionnicht gross. Werden die beiden granulirenden Wunddreiecke gut mitCarbol oder Sublimat desinfich't, werden dann die granulirenden Flächenmit etwas reiner Watte ordentlich überwischt, und die Granulationenmit einer Cooper'schen Scheere oberflächlich weggeschnitten, bis feineBlutpunkte überall hervorquellen, so wird mit reinen Instrumenten undreiner Seide keine Wundinfection gemacht und doch noch unter Zeit-ersparniss für die Kranke eine vollkommene Vereinigung des getrenntgewesenen Dammes erreicht. Jodoform zwischen die Wundflächen zustreuen, wie Behm vorschlägt, ist jedenfalls nicht nothwendig und hatsogar einmal, wo zu viel genommen wurde, die Vereinigung gehindert.

Der Vortheil dieser im späteren Wochenbett vollzogenenNaht besteht zunächst darin, dass die Wöchnerin noch in der Zeit,in welcher sie sich ohnehin schonen muss, gleich vom Dammriss geheiltwird. Nicht zu unterschätzen ist der Umstand, dass beim Vereinigender granulirenden Flächen niemals mehr verwächst, als voran zusammenwar. Die Scheide wird niemals enger gemacht, als sie gewesen. DerArzt braucht nicht zu suchen, was er anfrischen soll, denn nur dasGranulirende wird angefrischt und nur das Angefrischte kann zusammen-wachsen. Wir können nach wiederholtem eigenem Erprobenund regelmässig gutem Erfolg diese Spätnaht des Dammeswarm empfehlen.

Die beste Zeit zur Vornahme hängt im allgemeinen von dem Zu-stand der Granulationen ab. Dieselben müssen vollständig gereinigt,