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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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193
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Die Folgen der Dammrisse im Wochenbett. 193

mehr gegen ein Tuber ischii gerichtet oder vor dem Schliessmuskeldes Afters in 2 Arme getrennt sein.

Am schlimmsten, glücklicherweise auch am seltensten, sind diesogenannten centralen Dammrupturen. Wenn der Kopf unge-hindert geradeaus vorrückt, trifft er so ziemlich genau die Mitte desDammes. Eine geringe Beckenneigung und ein spitzer Schambogenverschlimmern dieses Andrängen. Ist der Druck auf den Damm sehrstürmisch und die Ausdehnung bei starren Geweben eine sehr rasche,so kann der Damm platzen und zwar dessen äussere Haut zuerst. DieRissstelle erweitert sich nach vorn und nach hinten und mitten in demRiss werden die Kopfhaare sichtbar. Das gewöhnliche ist dann, dassder Riss nachträglich ein completer wird, d. h. dass der schmale Streifenan der hinteren Commissur der Scheide ebenfalls einreisst.

Doch sind ziemlich viele Beobachtungen von der Ausnahme be-kannt, dass nämlich das Kind durch die Centralruptur durchtrat, ohneein Einreissen der hinteren Commissur zu machen, so Fälle vonElsässer,Grenser, Stadfeldt, Harley, Leopold, Simpson, Birnbaum,Kroner, Liebmann u. A. Dem Eintritt der Centralruptur sah Winckeleinmal (1. c. p. 151) ein rapid auftretendes Oedem vorausgehen. ImWochenbett folgte Gangrän dieser Theile nach.

Die unmittelbaren Folgen der Dammverletzung sind im ganzenernster, als sie vielfach genommen werden. Die Symptome der Er-weiterung und des mangelhaften Haltes sind im Wochenbett ganz neben-sächlich.

Eine Blutung, die sonst bei jeder Verletzung ein wichtiges Symptomist, kommt in stärkerem Grade selten vor. Hildebrandt berichteteine eigene Erfahrung von sehr starker venöser Blutung; ich sah beicompleter Dammruptur eine ziemlich starke, arterielle Blutung, diedurch eine tiefe.Naht geschlossen wurde.

Dagegen ist jede Verletzung der äusseren Genitalien bei Neu-entbundenen eine nicht zu unterschätzende Gefahr für das Wochenbett.Zunächst habe ich bei den Wöchnerinnen mit Dammrissen entschiedenhäufiger Fieber beobachtet als ohnedies, und es wird begreiflich, weildie Damm- und Scheidenrisse von den exquisit fiebererregenden Lochienfortwährend bespült sind. Je mehr diese Theile bei der Geburt ge-quetscht und gedehnt werden, um so eher werden sie vom Brand be-fallen, der natürlich leicht der Anfang einer allgemeinen septischenAnsteckung sein kann. Zu einem ganz übereinstimmenden Resultatkam Frl. Vögtlin in der Zusammenstellung des Dresdener Entbindungs-instituts (Winckel 1. c. p. 113). 68,5 °/ 0 der Wöchnerinnen mit Damm-verletzung bekamen im Wochenbett Exsudate.

Hildebrandt erwähnt Fälle, wo der brandige Damm die Ursacheeiner Pyämie wurde, weil er bei der Dammstützung zu anhaltend mitder Hand gedrückt wurde oder wo der Brand einzelne Fetzen befiel,die vor der Naht nicht entfernt worden waren. Auch zu viel und zufest geschnürte Nähte können den Damm so ausser Ernährung setzen,dass er absterben muss.

Zweifel, Geburtshülfe. 2. Aufl. 13