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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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190
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190 Dehnbarkeit des Dammes, Häufigkeit der Risse.

Beginn des Einschneidens gemacht werden, dienen sie keineswegs imgleichen Maass. Der am meisten gespannte Rand ist nicht die Schleim-hautgrenze, sondern der mehr nach innen gelegene Wulst des M. con-strictor cunni. Die Incisionen werden auch besser mit einem geknöpftenBistouri von innen her, oder mit einer Coopersehen Scheere unterZurückziehen des äusseren Hautsaumes der grossen Schamlippen gemacht.

Messer oder Scheeren sollen immer gegen das Tuber ischii ge-richtet , die Schnittchen selbst nur am hinteren Drittheil der ausge-dehnten Vulva gemacht werden. 2—4 Incisionen sollten immer genügen.

Mit den Incisionen des Dammes geht es wie mit anderen Dingen.Unterlässt man einmal deren Anwendung und erlebt dabei eine Rupturaperinei, so ist die natürliche Folge, dass kurze Zeit nachher leicht zuviel ineidirt wird.

Als Scarificationen des Scheidenmundes hat Ritgen ein ähnliches Ver-fahren geübt. Er machte 6 — 14 kleine Schnittchen von vorn bis hinten, Hess nureine Strecke von 1" von der Clitoris und ebensoviel von der Rapbe aus unberührt.Auf diesen Vorschlag kam er wegen vortheilhafter Erfahrungen mit Incisionen amMuttermund. Die Verhältnisse sind aber ganz andere. Das analoge Hindernissam Scheidenausgang ist der M. constrictor cunni, aber die Scarificationen nachRitgen's Vorschlag sind gar nicht geeignet, diesen Muskel zu treffen.

Wenn als zweites Moment der Dammstützung verlangt wird, dassder Kopf mit den günstigsten Durchmessern und Umfangen zum Ein-schneiden gelange, so haben wir das nothwendige bereits erwähnt.

Was den dritten Punkt, die Dehnbarkeit des Dammes, an-geht , so ist dies eine gegebene Grösse. Es ist nur darauf hinzu-weisen, dass man nicht durch ein beständiges Andrücken der Handgegen den zwischen Kopf und Hand gespannten Damm denselbennoch mehr blutarm mache, als er bei der grossen Spannung ohnehinschon wird. Das beständige Auflegen der Hand macht die Hauttrocken und brüchig. Sonst hängt die Dehnbarkeit von der grösserenoder geringeren Elasticität ab. Diese erleidet mit fortschreitendemAlter Einbusse. Wir sehen am Damm von sogenannten älteren Erst-gebärenden, dass die Elasticität schon ziemlich früh abzunehmen be-ginnt. Weil bei der Geburt der höchste Grad der Ausdehnung noth-wendig ist, zeigt sich die Unnachgiebigkeit bei der Geburt zuerst.Darauf reducirt sich die sogenannte Rigidität der äusseren Geschlechts-theile bei älteren Erstgebärenden.

Die Durchschnittszahlen geben für solche Personen eine etwaslängere Dauer der Geburten und namentlich eine relativ häußgere Noth-wendigkeit der Zangenoperation. Es deutet schon diese letztere That-sache an, dass die Erschwerung an den äusseren Genitalien liegt.Hecker rechnete aus, dass bei den Erstgebärenden, welche nach dem30. Lebensjahre (andere Autoren zählen vom 35. Jahre an) das ersteKind bekommen, 14 °/o Dammrisse entstehen, während das Mittel nur3,66 °/o betrug. Die Unnachgiebigkeit der Vulva wird natürlich nochviel grösser, wenn in den Schamlippen Narben beliebigen Ursprungsbestehen. Spitze Condylome, Varicen und dergl. hindern die glatte