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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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189
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Die Grundsätze des Dammschutzes. 189

Stützen und Handhaben oder lege sie rasch auf eine Seite. Den Kopffasse man von vorn her mit der hohlen Hand, so dass die Volarflächensämmtlicher Finger dem Kopf anliegen, aber der hintere Rand derVulva immer sichtbar bleibt. Diese Hand hat die Hauptaufgabe der.Stützung, sie hält den Kopf zurück, wenn er zu stürmisch andrängt,und zieht ihn so viel als möglich nach vorn (vergl. Figg. 98 und 99).Olshausen empfiehlt aufs wärmste einen von Hohl empfohlenenHandgriff, nämlich bei der in Rückenlage befindlichen Kreissenden unterdem Schenkel durch die Hand so an den Kopf zu legen, dass derDaumen nach vorn das Hinterhaupt umfasse und Zeige- und Mittel-finger quer über den Kopf zu liegen kommen. Durch einen Druckdes Daumens lasse sich der Kopf, wenn er sich vorn ungünstig mitder Spitze des Hinterhauptes anstemme, nach rückwärts drücken undmit den übrigen Fingern zurückhalten. Da aber die Einstellung miteinem ungünstigen Hypomochlion recht selten stattfindet, so dürftendie beiden Methoden ziemlich gleichwerthig sein. Ein Druck aufden Damm muss ganz vermieden werden. Will man dasPerineum entlasten, so kann man dies durch zwei in das Rectum ein-geführte Finger besser thun. Sobald diese die Stirn erreichen, haltensie dieselbe fest und drängen nun während der Wehenpause nach undnach den Kopf heraus.

Eine ganz getreue Beschreibung dieses Handgriffs citirt schon Ritgen auseiner Treatise of Midwifery von Fielding Ould aus dem Jahr 1742. Auch Smellieund seitdem noch viele Andere haben dasselbe Verfahren geübt und empfohlen.Neuerdings hat Ahlfeld den Handgriff als „Ritgen'schen" beschrieben, doch übteRitgen nur eine Nachhülfe, wie sie jüngst Fehling wieder empfahl: vom Hinter-damm aus. Thatsächlich ist dieser Handgriff von Ould erst von Olshausen 1 )der Vergessenheit wieder entrissen worden.

So vortrefflich dieser Handgriff bei sorgfältiger und sanfter Ausführung ist,so kann eine rohe Hand mit langen, ungeschnittenen Nägeln durch Verwunden derMastdarmschleimhaut dem Nutzen wieder Eintrag thun. Doch möchten wir nichtgleich das Kind mit dem Bad ausschütten und wegen der Möglichkeit zu schadenden Handgriff selbst verwerfen, dagegen allerdings dessen Ausführung den Hebammennicht gerne empfehlen, weil von ihnen, wenigstens von der schlechteren Hälfte der-selben, kaum Maasshalten und Individualismen zu erwarten ist.

Fetteiureibungen der äusseren Haut, die einst als gutes Mittel zurErhaltung des Dammes gegolten haben, nützen nichts und dennochsind sie besser, als das absichtliche oder unbewusste Abtrocknen desDammes. Das Perineum soll feucht, nicht trocken sein.

Wo trotz der grössten Bemühungen der Damm doch zu reissendroht, ist von Michaelis das Einschneiden an passender Stelleempfohlen worden. Die kleinen oberflächlichen Schnittchen dürfennicht tiefer als höchstens 1% cm gehen. Solche Incisionen erweiternden gespannten Scheidensaum ganz beträchtlich, da sich die beidenSchnittränder auseinanderbreiten können. Aber nur am stark auf dasMaximum gespannten Damm nützen sie etwas. Wo sie zu früh, im

') Samml. klin. Vorträge von Volkmann, Leipzig 1872.