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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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185
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Die Lagerung der Kreissenden. 185

nach abwärts und treibt den Kopf mehr gegen das Kreuzbein, bedingt also einenstärkeren Druck der Weichtheile, so dass dabei der Damm mehr gefährdet ist.

In Beziehung auf die Lagerung der Kreissenden hat man im all-gemeinen eine grosse Auswahl: jene, welche dieselbe momentan begehrt,möge man ihr zugestehen, wenn nicht besondere Gründe dagegensprechen. Das wünschenswerthe wechselt aber vielfach und ebenso dieLagen. Bald sehen wir die Kreissenden auf dem Rücken, bald auf dereinen oder der anderen Seite liegen und können darin keinerlei Nach-theil wahrnehmen. Gegen Ende der Geburt, namentlich beim Ein- undDurchschneiden, haben die meisten Frauen reflectorisch die Neigung,mit den Händen etwas krampfhaft zu fassen und sich aufzurichten.Wird die Wirbelsäule mehr nach vorn gekrümmt, so kann durch dieentsprechende Aenderung der Beckenneigung die Austreibung entschiedengefördert werden; denn dieses Zusammenkrümmen gestattet, die Bauch-presse, welche zu dieser Zeit der Geburt mit aller Energiemitarbeiten soll, zu verstärken. Da das Bett unvergleichlicheVortheile vor den Geburtsstühlen hat, trotzdem diese das Gegenstemmenleichter machen, so wird hoffentlich das einfache Lager nie wiederdiesen verpönten Möbeln weichen müssen. Schon die Gefahr, mit denGeburtsstühlen die Infection zu verschleppen, wird sie wohl auf immerverbannen. Um den Kreissenden das Aufrichten zu erleichtern, kannman ihnen einen entsprechend langen Strick mit einfacher Handhabegeben, der um das untere Ende des Bettes gelegt wird und an demsich die Kreissenden festhalten und aufrichten können.

Beim Durchschneiden bleibt die Wahl zwischen der Seiten- undder Rückenlage. Die letztere hat den Vortheil, dass man die Auscul-tation der Fötaltöne bequemer machen und schliesslich den Dammziemlich ebenso sicher schützen kann, als bei der Seitenlage. Dafür istbei der letzteren das übermässige Mitpressen leichter zu unterdrücken,der Damm besser zu übersehen und zwar bei geringerer Entblössung desKörpers. Danach richte man sich und verfahre mit Auswahl; bei garstürmischem Verlauf, kräftigen Wehen etc. verdient die Seitenlage ent-schieden den Vorzug.

Wie wir schon oben gesagt, besteht die einzige kunstgerechteHülfe bei normalen Geburten im Dammschutzverfahren und derAbnabelung.

An dieser Stelle wollen wir einfügen, weil im späteren Gedanken-gang kein Raum mehr ist, dass jedesmal nach der Geburt des Kopfesnachgefühlt werden muss, ob eine Umschlingung des Nabelstrangsum den Hals vorhanden sei. Lässt sich dieselbe lockern, so zieht mandie Schlinge über den Kopf hervor oder man sucht die Schultern durchdie gelockerte Schlinge durchgehen zu lassen. Anderenfalls wird derStrang durchschnitten, das Kind rasch extrahirt und nachher ab-gebunden.

Meistens liegt die Ursache eines Dammrisses in der allzu-raschen Dehnung des Scheideneinganges, also in einem zu schnellenDurchschneiden des Kopfes. Die Ausdehnung selbst ist beinahe