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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
174
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174 Beckenendlagen mit nach hinten gerichtetem Rücken.

Der Mechanismus bei nach hinten gerichtetem Eücken.

Dass sich gewöhnlich das Kind nach vorn drehe, entweder beimDurchschneiden der Hüften oder beim Durchtritt der Schultern, ist schonoben angegeben worden. Ja selbst der Kopf kann noch innerhalb desBeckens seine Stellung verbessern. Das vorspringende Promontoriumgibt den ersten Anstoss zu einer Querstellung des Kopfes; an der seit-lichen Beckenwand, speciell auch durch die Wirkung der Spinae ischiiwird die Drehung fortgesetzt.

Auch bei dem selten vorkommenden Hintenbleiben des Hinterhauptskann der Austritt noch leidlich gut vor sich gehen, wenn nur das Kinnauf die Brust gebeugt bleibt. Es stemmt sich dann die Stirn unterder Symphyse an und rückt das Hinterhaupt über den Damm. DerElasticität desselben wird schon mehr zugemuthet als sonst und danachbemessen sich die Schwierigkeiten.

Ganz unmöglich aber ist der Durchgang bei nach hintenrotirtem Hinterhaupt, wenn sich das Kinn von der Brust ent-fernt. Ueber die nothwendigen Eingriffe verweise ich auf die Be-sprechung der Operationen.

f Inhaltsübersicht.

1) Die Beckenendlagen bringen beträchtlich grössere Gefahr für dieKinder, als die Schädellagen und zwar, weil jedesmal beim Durchgangdes Kopfes der kindliche Nabelstrang gedrückt werden mnss. DieserDruck ist gleichbedeutend mit Aufhebung oder Störung der Athmung.Derselbe darf nur kurze Zeit bestehen, sonst geht das Kind an Erstickungzu Grunde — es muss also der letzte Act der Geburt in Beckenendlage,nämlich der Durchgang des Kopfes rasch verlaufen oder das Kind stirbt ab.

2) Von grösster Bedeutung für den glücklichen Verlauf der Becken-endlagen ist die normale Haltung des Kindes, und weil ein unzeitiger Zugan den Füssen diese normale Haltung stört, gibt es nichts Verkehrteresund Schädlicheres als das absatzweise, unzeitige Ziehen an den Füssen.

3) Ein Druck vom Gebärmuttergrund aus ist unschädlich und zugestatten.

4) Sonst ist streng darauf zu halten, die Beckenendlagen conser-vativ zu behandeln — als noli me tangere — bis das Kind mit demBeckenende von selbst durchgeschnitten hat.

5) Die Erkennung der Beckenendlagen ermöglichen die Knochen-punkte: die zwei Tubera ischii und das Kreuz-Steissbein mit der davorsitzenden Analöffnung.

6) Ein Herunter strecken der Beine ist unstatthaft und dem Kindgefährlich, ivennje die Diagnose durch Betasten genau gestellt werden kann.

7) Ist die Diagnose nicht anders zu stellen, als dass man einenhoch über dem Beckeneingang befindlichen und beweglichen Kindestheilsich entgegendrücken muss, so schadet in solchen Fällen auch das Her-unterstrecken der Extremität nicht.