172 Die Grundsätze der Behandlung der Beckenendlagen.
so kaiin dies gerade so stark bei der manuellen Extraction geschehen.Da man bei der Zange keineswegs als idealen Standpunkt bezeichnet,wenn ein Geburtshelfer viel, über einen gewissen Durchschnitt hinaus,operirt, mögen nun seine Indicationen Wehenschwäche oder Sinkender kindlichen Herztöne oder anders heissen, so muss bei der manuellenExtraction, wo durch die Vielgeschäftigkeit noch viel mehr geschadetwird, das Urtheil erst recht verwerfend sein.
Zur Nachhülfe der Spontangeburt, d. h. zur Lösung derArme und des Kopfes kann sich ein Geburtshelfer oft ge-zwungen sehen; dann müssen aber auch die Resultate gut sein.Der aber ist ein schlechter Geburtshelfer, der die Extractionzu häufig ohne zwingende Indicationen macht.
Ueber das Geschichtliche und Technische der Nachhülfe und derExtraction vergleiche man den Abschnitt: Extraction bei den geburts-hülflichen Operationen.
Historische Notizen. Von den Beckenendlagen meinte Hippokrates:Grave autem est etiam, si foetus in pedes processerit. Et saepe aut matres pereunt,aut pueri aut ambo. Römische Aerzte nannten solche Geburten partus agrippini,die Kinder Agrippas, nach Plinius' (II. Buch XII. 8) Erklärung so viel sagendals aegre partos, als „schwierig, mit genauer Noth Geborene". Daran knüpfte sichdann noch der Aberglaube, dass solche dem Tod Entronnene zum Unheil derWelt gesundet seien. Die Beispiele sind aber sehr spärlich, denn bei Agrippa,M. Domitius, Nero, Richard III. und Louis XV. ist es verblieben und seitdem hatder Aberglaube vor dem besseren Wissen das Feld geräumt.
Die Hippokratische Schule kannte als Rath zur Verbesserung der Becken-endlagen nur die Wendung auf den Kopf. C e 1 s u s war in den Kenntnissen weiter.Er berichtete zuerst von der Umwandlung der Steisslage in eine Fusslage. Dievon dem herbeigerufenen Arzt erforderliche Hülfeleistung bestand entweder in derExtraction mit den Händen oder in der Zerstückelung, worunter C e 1 s u s undseine Nachfolger das Gliederabschneiden verstanden. Man kann als sicher annehmen,dass der Fuss nur mit den Händen angezogen wurde, nach folgender Stelle: Sedin pedes quoque conversus infans non difficulter extrahitur: quibus apprehensisper ipsas manus comuiode educitur. Die Auffassung des Celsus würde denobigen Ausdruck aegre partos, d. h. dass es den Kindern nahe ans Leben geht,verständlich machen. Aber die Lehre von der Gefährlichkeit für die Mütter konntenur entstehen durch das zu frühe und das rohe Operiren der späteren Jahrhunderte.Von Celsus'Zeiten (der ein Jahr vor Kaiser Augustus gestorben ist) bis zu Galen(131 — 200) scheint eine niedere Berufsclasse von weiblichen Geburtshelfern (ob-stetrices-medicae) aufgekommen zu sein , und den Aerzten blieb nur die Hülfe inden extremsten Fällen übrig. So werthvoll Galen's Schriften für die Anatomie,Physiologie u. s. w. waren, so ist in den Abschnitten über Geburtshülfe. gegendiejenigen von Celsus ein grosser Rückschritt unverkennbar.
Seit in Frankreich Chirurgie und Geburtshülfe wieder auf bessere Wegegebracht wurden, als sie seit mehr als 1000 Jahren gewesen und nach der Wieder-erfindung der Wendung durch Pare auch die Extraction oft gemacht wurde, hörtedas Vorurtheil, dass die Beckenendlagen auch für die Mütter eine besondere Ge-fahr brächten, ganz auf. Im Gegentheil — es existiren genug Aeusserungen, dasswenigstens bei diesen Lagen niemals die peinliche Situation zu befürchten sei,dass man rathlos am Kreissbett stehen müsse und nichts thun könne, wie bei denSchädellagen. In diesem Sinne wurden z. B. die Fusslagen beurtheilt von Peu,de laMotte,Deventer,Dionis und der Justina Siegemund. Das Citatvon de 1 a Motte lautet: cette Situation est l'unique qui assure dans le mo-ment la fin de l'ouvrage; van D eventer: ich gedächte zu behaupten, dass die