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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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170
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170 Die Erkennung der Beckenendlagen.

Man verlasse sich nicht darauf. Ich habe auch Fälle von Schulter-lagen gesehen, wo der Uterus während der Contractionen die schönsteLängsausdehnung annahm. In verschleppten Fällen muss die innereUntersuchung schliesslich den Ausschlag geben. Bei Schulterlagenkommt der Finger in die Achselhöhle, bei Steisslagen in die Schenkel-beuge. Wohl unterscheiden sich die Knochen des Schultergürtels vondenen des Beckenringes. Es lassen sich im ersteren Fall die Scapulaabheben, die Clavicula und die Rippen fühlen. Aber besonders beitodten Kindern kann der Beckenring des Kindes leicht denselben Ein-druck machen, wie der Rand der Scapula.

In keinem einzigen solcher Fälle von hoch über dem Beckenbefindlichen Quer- oder Beckenendlagen schadet das Her-unterholen einer Extremität. Bei Schulterlagen ist es ganzbedeutungslos. Dass man damit die Haltung des Kindes und den Ver-lauf der Beckenendlagen störe, dass man durch diesen Rath eine Viel-geschäftigkeit veranlasse, wie mir aus vollkommenem Missverständnisszum Vorwurf gemacht wurde, davon kann nicht die Rede sein. Aberirgend eine Verwechslung, die später unsagbares Unheil nach sich ziehenkönnte, vermeidet man sicher. Anders als zu diagnostischen Zweckenund nur bei hoch über dem Becken befindlichem, also noch beweglichemKindestheil empfahl ich das Herunterholen einer Extremität nicht; jaspäter, wenn der Steiss in das Becken eingetreten ist, verabscheue ichdies, weil es die Knochen brechen würde.

Hat man aus and eren Merkmalen eine vollkommen ge-sicherte Diagnose gewonnen, so ist das Herunterholeneiner Extremität überflüssig und verwerflich.

Die Diagnose der grossen Mehrzahl der Beckenendlagen ist abernicht mit so viel Schwierigkeiten verbunden. Man fühlt entweder einenFuss und unterscheidet ihn besonders durch das Betasten der Fersevon der Hand oder man bekommt stossende Bewegungen gegen seinenFinger. Beim Anfühlen der Kindeshände wird oft der touchirendeFinger von den kindlichen umfasst, was ebenso rasch die Diagnosesichert. Wo ein Mittelgelenk — Knie- oder Ellenbogen — vorliegt,muss man auch zu Hand oder Fuss gelangen können.

Der Steiss wird kenntlich durch seine knöchernen Vorsprünge:die beiden Tubera ischii, das Kreuz-Steissbein und an dessenEnde die Analöffnung, welche gewöhnlich geschlossen, bei todtenKindern schlaff und weit offen ist. Der touchirende Finger wird mitKindspech bedeckt. Durch die Geburtsgeschwulst und zu viel Fett sindoft die Sitzbeinhöcker undeutlich, und ist jedenfalls das Kreuzbeindas beste Merkmal. Die Genitalien sind häufig zwischen den zurück-geschlagenen Beinen nicht leicht zugänglich. Verwechslungen mit Ge-sichtslagen haben wir schon oben erwähnt, ebenso deren Erklärungdurch den Einfluss der Geburtsgeschwulst. Für die Differentialdiagnosesind auch die Missbildungen zu erwähnen.

In den wesentlichsten Punkten haben wir zwar die Behandlungschon angegeben. Nur Eines wollen wir noch nachtragen. Die Becken-