Die Erkennung der Beckenendlagen. 169
24°/o, Heck er). Aber auch die ausgetragenen hatten durchschnittlichetwas geringeres Gewicht.
Die Prognose ist oben in den Hauptzügen schon berücksichtigtund die Gefahr auch erwähnt worden, welche in einer zu geschäftigenBehandlung dieser Lagen liegt. Diese Gefahr ist aus verschiedenenGründen in Lehrgebäranstalten besonders gross. Sichel erhielt in seinerZusammenstellung aus der Privatpraxis das Ergebniss, dass unter 1710Beckenendlagen 190 operativ beendet wurden, also diese operativ be-endeten ll,l°/o ausmachten. Dagegen nehmen sich die Zahlen in Hecker'sgrosser statistischer Arbeit überraschend hoch aus. In 26°/o der von ihmzusammengestellten Fälle wurde die ganze Entwicklung (Manualextrac-tion) des Kindes künstlich gemacht und noch in 27°/o der übrigen FälleNachhülfe zur Lösung der Arme und des Kopfes geleistet. Nur 47°/ 0der Geburten verliefen spontan. Von anderen Anstalten sind solche sta-tistische Details nicht erwähnt. Für die Mütter sind diese Lagen a priorinicht ungünstiger, die Ungunst trifft sie nur, wenn zur Erhaltung deskindlichen Lebens operirt wird, ganz besonders aber dann, wenn ohneRücksicht auf den normalen Verlauf — wenn ganz zur Unzeit einge-griffen wird!
Die Erkennung der Beckenendlagen kann in einzelnen Fällenauffallend leicht, in anderen ganz ausserordentlich schwer sein. Fürdie Diagnostik ist von grösster Bedeutung, ob der vorliegende Kindes-theil schon in das Becken eingetreten ist oder noch hochüber demselben liegt. Im letzteren Falle entstehen die grossen Schwierig-keiten. Nun ist es aber gerade eine Eigenthümlichkeit der Steisslagen,dass der vorliegende Theil in der letzten Zeit der Schwangerschaftund im Anfang der Geburt — bis zum Blasensprung — nicht in dasBecken eintritt.
Berücksichtigen wir zunächst einmal solche Fälle. Es ist dabeigewöhnlich auch der Muttermund noch ganz ungenügend eröffnet. Istschon voran das Fruchtwasser schleichend abgegangen und der vor-liegende Kindestheil hart am Muttermundssaum liegend, vielleicht sogareine Geburtsgeschwulst entstanden, dann können die Schwierigkeitendas höchste Maass erreichen. Das Touchiren ist schwer und schmerz-haft. Um der Empfindlichkeit willen sträubt sich die Frau und machtdie Untersuchung erst recht schwer.
Da in einem solchen Fall gelegentlich zwei Menschenleben vonder richtigen Diagnose und Behandlung abhängen, ist den Aerzten nurzu rathen, zum Zweck einer sicherheitbringenden Untersuchung lieberzu chloroformiren, als in der Ungewissheit zu verbleiben. Nur versäumeman vor der Narcose nicht die gründliche äussere Untersuchung.
Das Einbringen der ganzen Hand in die Vagina muss dann soweit abzutasten ermöglichen, dass die charakteristischen Theile gefühltwerden können. Am traurigsten straft sich eine Verwechslungzwischen Schulter- und Beckenendlage. Diesem Missgriff mussder Arzt aus dem Wege gehen. Man behauptet, dass die Schulter-oder Querlage eine grössere Breitenausdehnung der Gebärmutter bedinge.