Bedeutung der Stirnlagen. lßl
7) Die Prognose ist für Mütter und Kinder etwas ungünstiger.
8) Im allgemeinen ist eine Behandlung bei sonst normalem, Verlaufnicht nothivendig. Nur für die ungünstige Einstellung oder zögerndenVerlauf, enges Becken u: der gl. kommt eine specielle Behandlung in Be-tracht: künstliche Verwandlung in eine Hinterhauptslage oder Wendung;die Zange nur bei tief stehendem und. nach vorn gerichtetem Kinn.
Die Stirnlagen und Gesichtslagen mit nach hinten gerichtetem Kinn.
Eigentlich gehörten diese Lagen und gehört das entsprechendeKapitel nicht zur Physiologie der Geburt, denn nicht jede Lage, in derschliesslich ein Kind geboren werden kann, ist physiologisch zu nennen,sonst gäbe es keine pathologischen mehr. Selbst die unseligste allerLagen, die Schulterlage, kann ausnahmsweise durch Selbstentwicklunggnädig ablaufen. Deswegen weiss man doch, dass dieselbe eine be-sonders günstige Ausnahme und ohne Kunsthülfe Tod der Mutter unddes Kindes die Regel ist. Das sind aber keine Normallagen, die andersals durch Kunsthülfe nicht zu gutem Ende zu kommen pflegen.
Wenn nun auch die Stirnlagen nicht ganz so schlimm sind, so istihre Prognose doch herzlich schlecht. Man erwäge nur, dass in den18 Fällen von Hecker 5 Kinder todt, 6 asphyctisch, aber wiederbelebt,und nur 7 lebend zur Welt kamen, so dass die Mortalität sich auf 28 °joberechnen würde gegenüber einer allgemeinen Mortalität von nur 3,1 °/oTodtgeburten. Spiegelberg hatte von 18 Kindern 8, also 44 °/o todte,und wie wurden diese geboren? 4 Kinder waren exquisit kleine, näm-lich 2 frühgeborene, 2 Zwillingsfrüchte. Von den 14 übrigen wurden6 Kinder spontan, davon 2 todt geboren, 2 durch die Zange lebend,1 durch Wendung und Extraction todt entwickelt und 5 perforirt. Nunist dieses beklagenswerthe Resultat erhalten worden, ohne dass man dabeianderen Momenten als gerade der Stirnlage Schuld geben könnte; eshandelte sich dabei keineswegs häufig (bei Spiegelberg 5mal) umBeckenverengerungen. Ja, das Missverhältniss der Mortalität wird nochgrösser, wenn man erfährt, dass die Kinder durchschnittlich klein waren.Das Gewicht betrug bei Hecker 2875 gr, die Länge nur 38,7 cm, wo-bei von 18 Früchten 15 unter dem Mittel blieben. Die Geburtsdauer istfür die Eröffnungsperiode auf 15,36, für die Austreibung auf 3,0 Stundenangegeben (H ecker). Es ist also auch die Dauer länger, trotzdem nureinmal enges Becken ersten Grades vorhanden war. Man kann mitvollem Recht die Stirnlagen als die Querlagen des Kopfesbezeichnen.
Die Häufigkeit der Stirnlagen ist deswegen schwer festzu-stellen, weil man nur diejenigen Fälle als Stirnlagen gelten lassen kann,bei denen der Kopf in dieser Stellung austritt. Bei manchen Opera-tionen z. B. kann man nicht wissen, ob nicht einer Stellungsänderungvorgegriffen und ein Kind in der ungünstigen Weise entwickelt wurde,das ohne den Eingriff seine Lage noch gewechselt hätte. Deswegen
Zweifel, Geburtehülfe. 2. Aufl. 11