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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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159
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Geschichte, Prognose. 159

könnte. Von mehreren Seiten kamen nun so ziemlich zur selben Zeit Erfahrungenzur Veröffentlichung, dass die Gesichtslagen spontan verlaufen können, so z. B. vonder Siegemundin (1690):Noch geht es auch, wann Gott will, ohne Hülle, wenndie Frauen nur bei guten kräften seyn."

Der Grundsatz, dass man exspectativ verfahren könne ging nicht mehr ver-loren. Doch blickt noch mehrmals bei den Autoren die Neigung durch, im Anfanglieber zum Eingreifen zu ermuntern, so bei S m e 11 i e.

Die Ansichten über Bedeutung und Behandlung so ziemlich auf den Standunserer Zeit gebracht zu liaben, ist wesentlich das Verdienst von Deleurye (1770)und Boer (1793). Bei der ersten Publication konnte dieser letztere von 80 Ge-sichtsgeburten referiren, von denen alle bis auf eine der Natur überlassen, einmaldie Zange wegen Wehenschwache angelegt wurde, 4 Kinder todt, die anderenlebend zur Welt kamen. Besser hat es seitdem auch Niemand gemacht.

Die Prognose ist etwas ungünstiger als bei Schädellagen, abernicht in dem Maass, als manche Schilderungen annehmen lassen. DieGeburtsdauer ist nicht wesentlich grösser als bei Schädellagen (Hecker1. c. p. 20). Wenn trotzdem die Zahl der Dammrisse grösser gefundenwurde (bei Hecker 8:4,9 °/ 0 ), so spricht dies noch nicht für einegrössere Ausdehnung der äusseren Theile. Gerade bei sehr raschemDurchschneiden entstehen die Zerreissungen am häufigsten. Die un-günstigere Prognose ergibt sich hauptsächlich aus der grösseren Frequenzder Zangenoperationen und der beträchtlicheren Mortalität der Kinder.Diese bekommen eine hässliche Gesichtsgeschwulst, eine starke Dehnungdes Halses und Prominiren der Schilddrüse, was aber für später garkeine Bedeutung hat. Am Schädel sind die Scheitelbeine oder wenig-stens das vordere unter die Nachbarknochen untergeschoben. Dies istbedeutungslos und ändert sich bald.

Die Behandlung hat, falls man bei der ersten Untersuchungdas Gesicht schon in das Becken eingetreten findet, rein exspectativzu sein. Je entschiedener sich das Kinn schon tiefer gewendet hat,um so ruhiger kann man den Verlauf der Natur überlassen. Das Kinndreht sich schon im weiteren Verlauf mehr nach vorn. Das sind da-gegen die ungünstigen Fälle, in denen der Kopf lange hoch undmit der Gesichtslinie quer oder gar mit dem Kinn nachhinten gerichtet stehen bleibt. Bleibt ein Kopf lange so stehen,so ist die Situation, besonders mit Rücksicht auf die Geburtsdauer, nichtsweniger als erfreulich. Unter der Verzögerung der Einstellung kommtdas Kind allmählich zu Schaden. Dieser Stand macht es wünschens-werth, die Stellung des Kopfes zu verbessern. Das Problem wäre ge-löst, wenn man die Stirn nach oben, das Kinn nach unten bringenkönnte. Erleichtert wird der Stellungswechsel durch eine Lagerung derKreissenden auf diejenige Seite, in welcher das Kinn steht. Solche Ver-suche und Empfehlungen sind alten Datums; aber dieselben bliebenmeist erfolglos. Der Grund ist, dass mit einem Druck auf die Stirn beidem einmal in den Beckeneingang getretenen Kopf ein Stellungswechselnicht mehr möglich ist. Entweder geht der Kopf in toto zurück oderman erreicht gar nichts. Aber ein Zurückgehen der Stirn und Liegen-bleiben des Kinns ist nicht zu erwarten.