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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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Seite
157
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Diagnose der Gesichtslagen. 157

Nicht genug zu warnen ist vor dem rücksichtslosen Abtasten derOrbitalränder, weil dabei die Corneae verkratzt werden. Es mussüberhaupt allgemeine Regel der Untersuchung sein, dass, wenn mannicht sofort Nähte und Fontanellen fühlt, der Arzt an die seltenerenVorkommnisse denkt, also an Gesichtslagen, Beckenendlagen und Quer-lagen. Gerade Gesichts- und Steisslagen sind schon sehr oft verwechseltworden, was a priori unbegreiflich scheint. Das Gesicht bekommt auchdiese Aehnlichkeit erst durch die Geburtsgeschwulst. Den bestenAnhaltspunkt zur Untersuchung gibt die Nase, die auch zugleichzeigt, in welcher Stellung das Gesicht sich befindet. Durch die Ge-sichtsgeschwulst wird das Gesicht ganz unförmlich, die Augen tretenaus ihren Höhlen, die Lider schwellen sackartig auf, der Mund wirdrüsselförmig vorgetrieben, die Oeffnung rund, und die Wangen erhaltenwirklich Aehnlichkeit mit Hinterbacken. Spiegelberg berichtet von

Fig. 90.

Urethra.

Anus.Frenulum.

Das Durchschneiden bei Gesichtslage. (Nach Schröder.)

einem Fall, wo die vorgetriebenen Bulbi und Lider für Sero tum etc.gehalten wurden und diese Verwechslung unseligerweise zum Einsetzeneines stumpfen Hakens an den vermeintlichen Hüftbeinkamm, in Wahr-heit aber horribile dictu in die Orbita veranlasste.

Das sollte nicht vorkommen, weil es, namentlich durch Zuhülfe-nahme der äusseren Untersuchung, leicht zu vermeiden ist. Diesesollte immer vorausgeschickt werden. Wenn aber je beim Touchireneine normale Schädellage vermisst wird, sollte man nochmals und vorallem weiteren eine gründliche Betastung des Abdomens vornehmen,die ergeben muss, ob der Kopf im Fundus uteri oder über dem Becken-eingang steht. Bei den Gesichtslagen hat man ein stärkeres Vorwölbendes Uterus durch die vorn angepresste Brust des Kindes.