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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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156
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156 Aetiologie der Gesichtslagen.

sicher, dass ein enges Becken dem Zurückbleiben des HinterhauptesVorschub leisten kann. Kommt ja gerade dem Mechanismus des plattenBeckens zu, dass bei demselben auffallend häufig anfangs die grosseFontanelle gleich hoch bleibt und gegenüber der kleinen lange Zeiteinen Vorsprung behält.

Ganz in demselben Sinn wie räumliche Missverhältnisse von Sei-ten des Beckens können auch Geschwülste etc. wirken. Wie weitpartielle Contractionen des Uterus zu Gesichtslagen führen, bleibe dahin-gestellt. Auch den in III. und IV. Schädellage in das Becken einge-tretenen Kopf will Ahlfeld durch ungewöhnlich hervorragendeSpinae ischii am Hinterhaupt zurückgehalten gesehen haben.

Vernachlässigt aber wurde die Bedeutung der Schieflagerungder Gebärmutter fast von allen Autoren, ausser Spiegelberg undAhlfeld. Es ist ein zu auffallendes Verhältniss, welches von allenStatistikern anerkannt wird, dass die II. Gesichtslage mit nach rechtsgerichtetem Rücken relativ viel häufiger (63:100) vorkommt, als dieIL Schädellage im Verhältniss zur I. (39:100 Hecker). Unzweifelhaftaber gehen die Gesichtslagen meistens aus Schädellagen hervor. Warumdann häufiger, wenn der Rücken nach rechts gerichtet ist, als nachlinks? Sicher spielt hierin die so sehr häufige Rechtsabweichungder Gebärmutter eine wichtige Rolle und am meisten wohl diegleichzeitig vorkommende Rotation der Gebärmutter um ihre Längsaxe,wodurch die linke Uteruskante mehr nach vorn gedreht wird. DerRücken des Kindes kommt häufiger nach hinten zu liegen, wenn er derrechten Mutterseite zugewendet ist. Befindet sich der Kopf gerade aufdieser Seite, so kommt eine Deflexion des kindlichen Rumpfes zu Stande,und das Gesicht stellt sich zur Geburt ein (Dunean).

Anmerkung. In allerjüngster Zeit macht Schatz in einer vorläufigenMittheilung eine neue Ansicht über die Aetiologie der Gesichtslage geltend. Nachihm ist es der Uterus, welcher die Kopfstreckung und damit die Vorbereitungder Gesichtslage bewirkt, und zwar durch eine Streckung der ganzen kindlichenWirbelsäule. Der Uterus stelle mehr ein Organ mit 3 Zipfeln dar, nämlich diebeiden Buchten der Tubenmündung und den Cervicalkanal. Wenn sich das Kindzwischen einer Tubenecke und dem Becken mit der Längsaxe gleichsam einge-klemmt habe, könne die Contraction des Uterus die Wirbelsäule gerade in umge-kehrtem Sinne krümmen, als normal. (Vergl. Ahlfeld, Entstehung der Stirn- u.Gesichtslagen, p. 84.) Ueber das Nähere verweisen wir auf die Mittheilung selbst.Von den verschiedenen anderen Vermuthungen, deren Win ekel bis 1866 schon 33aufgezählt hatte, können wir hier keine Notiz nehmen.

Die Diagnose der Gesichtslagen ist im allgemeinen nichtschwierig, weil das Gesicht so wohl charakterisirte Theile hat. JedeLage ist aber schwer zu erkennen bei sehr hoch über dem Beckenstehendem Kopf und uneröffnetem Muttermund. Nehmen wir die ge-wöhnlichen Fälle an, wo durch den eröffneten Muttermund bei stehen-der oder gesprungener Blase untersucht werden kann, so ist das Ge-sicht zu erkennen an der Nase, den Orbitalrändern, dem Mund,den Kiefern und dem Kinn. Wenn der Finger in den Mund einge-führt wird, so macht ein lebendes Kind gewöhnlich Saugbewegungen.