Aetiologie der Gesichtslagen. 155
vorkommt und in erster Linie unter der Aetiologie der Gesichtslageerwähnt zu werden verdiente, sondern nur, weil sie die Aenderung derKopfhaltung am besten illustrirt. Eine Struma, congenita, welche un-leugbar schon Gesichtslage veranlasst hat, beginnt ihren Einfluss miteiner Entfernung des Kinnes von der Brust. An sich würdediese Einstellung nur ein Tiefertreten der grossen Fontanelle bedeuten— es käme bei Gleichbleiben dieser Haltung nur eine Stellung wie beiStirnlagen heraus. Doch wenn der einmal gestreckte Kopf mitdem Hinterhaupt einen Widerstand findet, ist die Gesichts-lage entschieden. Wenn auch viele ätiologische Momente an derForm des Kinderschädels liegen, so sind doch viele von diesen Ver-hältnissen nur disponirend, nicht eigentlich ausschlaggebend für dieEntstehung von Gesichtslagen.
Was bei der Aetiologie zunächst die Grösse der Kinder be-trifft, so hat die Statistik des Einen gefunden, dass die grossen Kinderüberwiegen (Hecker 62 °/o über dem Mittelgewicht), die von anderenAutoren, dass Gesichts- und Stirnlagen in grosser Zahl bei nicht reifenFrüchten gefunden wurden. Wir schliessen aus einem solchen Wider-spruch, dass die Grösse kein ausschlaggebender Factor sei.Die von Ahlfeld gemachte Angabe, dass bei Kindern, die vor derGeburt abstarben, relativ häufig Gesichtslagen vorkommen,scheinen die Statistiken zur Zeit nicht zu bestätigen. Die Zahlen sindbis jetzt noch relativ zu klein, um vor Trugschlüssen zu sichern.
Dagegen sind ausser dem erwähnten Moment (Struma congenita),das die Haltung vollkommen ändert, noch Hydrothorax, insbesondereaber von Ahlfeld relative Dicke des Körpers im Verhältnisszu seiner Länge hervorgehoben und von Mayr und Fränkel be-stätigt worden.
Hecker betonte von früher her die dolichocephale Schädel-form als ätiologisches Moment. Es ist dies eines derjenigen Momente,von denen wir oben sagten, dass sie nur disponirend, nicht eigentlichausschlaggebend seien. Es wurde die Präexistenz von Dolichocephaliebei Kindern sicher nachgewiesen. Ja wir haben einen exquisit dolicho-cephalen Schädel durch Kaiserschnitt zur Welt befördert, wo also voneinem Einfluss durch die Geburt gar keine Rede sein kann. Mayrwies neben der Verlängerung des Hinterhauptes besonders nochauf dessen Verbreiterung hin. Es wird begreiflich, dass ein so ge-staltetes Hinterhaupt den Widerständen des Beckens grössere Oberflächeund Gelegenheit gibt, und wir haben oben erwähnt, dass schliesslichjedesmal, wo das Hinterhaupt am Tiefertreten aufgehalten wird, eineGesichtslage entstehen müsse. Weitläufige Erörterungen veranlasste dieFrage: liegt in dem platten Becken ein bestimmendes Momentfür Gesichtslage? Das wurde von einzelnen Autoren vertreten, vonanderen, z.B. Heck er, erst bestritten und nachträglich nur in zweiteLinie gesetzt. Es ist als disponirend auch von Ahlfeld, wenn auchnur mehr secundär, anerkannt, wesentlich aber erwiesen worden vonSpiegelberg und durch die Statistik Winckel's (Walther). Es ist