150 Erklärung der Häufigkeit der Kopflagen.
Bedingungen, also in eine grosse Kufe Wasser, das durchKochsalzzusatz das Kind gerade in der Schwebe erhält, sostellt sich, wenn endlich das Kind zur Ruhe kommt, derKopf tiefer als das Becken und meistens auch die rechteSeite tiefer als die linke. Zwar kommt niemals das Kind so zusagen auf den Kopf zu stehen. So gross sind eben die Dichtigkeits-unterschiede nicht. Die Schiefhaltung ist aber bei der Birnform desUterus, da diese Längslagen begünstigt, schon genügender Grund fürdas Vorwiegen der Kopflagen.
Diese Erklärung wurde schon oft angefochten, und waren dieGründe, welche man dagegen ins Feld führte,
1) dass todtgeborene Kinder relativ häufiger in Beckenendlagengeboren würden, und
2) dass bei den Thieren, wenigstens bei den grossen Haussäuge-thieren Stute, Kuh und Schaf, zwar auch der Kopf vorausgehe, abernun gerade weil der Rumpf und das Beckenende am tiefsten liegen.
Anmerkung. Der erste Einwand gab den Grund ab für eine andere Er-klärung: dass nämlich die Bewegungen des Kindes zu dem Vorwiegen derKopflagen führen. So lange nicht die sich bewegenden Extremitäten den für siepassendsten Raum in dem weiten Fundus uteri einnehmen, befinde sich das Kindnicht bequem. Erst in dieser Position, d. h. also in der Kopflage komme der Fötuszur Ruhe. Es macht zwar einen grossen Unterschied aus, oh man diesen Bewegungeneinen Instinct unterschiebt, wie dies Dubois und schon lange voran Pare gethanhatten, oder sie richtiger Reflexbewegungen nennt (C. Braun, Scanzoni, Simp-s o n). Aber thatsächlich nehmen alle genannten Autoren die Bewegungen alsUrsache an, nannten sie aber je mit den ihrer Zeit passend erscheinenden Epitheta.Nur Simpson hat ein Verdienst mehr, dass er nämlich der Vermuthung auch denoben erwähnten Grund der relativen Häufigkeit der Beckenendlagen bei rnace-rirten Früchten hinzufügte.
Erst dann, wenn solche Früchte heim Schwimmversuch noch das gleiche Resul-tat wie frisch ahgestorbene geben würden, könnte man dieser Statistik Simpson'seinen hohen Wahrscheinlichkeitswerth zuerkennen. Solche Versuche sind seitSimpson gemacht worden. Battlehner erwähnt, dass das Experiment einevollständige Verschiebung des Schwerpunktes bei macerirtenFrüchten ergebe. Wir haben selbst sehr oft solche Kinder in Kochsalzlösungin Schwebe gebracht und davon die Ueberzeugung gewonnen, dass diese zwarnicht regelmässig, aber doch häufig zu constatirende Verschiebung des Schwer-punktes die beste Stütze für die Bedeutung der Schwere abgebe, dass also diethatsächliche Prüfung von Simpson's Einwänden erst recht zur Bestätigungder obigen Lehre führe. Dasselbe ist zu sagen von den Hydrocephalen. Ausser-dem bemerkte Scanzoni, dass solche Kinder auch alle Resistenz einbüssen undsich mit allen beliebigen Theilen, z. B. mit dem Rücken, der Schulter etc., zurGeburt stellen. Der Kopf bleibt dann, nachdem er vom Beckeneingang zur Seitegetreten, zurück, und das Kind wird endlich in Steisslage geboren.
Battlehner macht noch in Betreff der Thierfötus die Angabe, dass beiihnen der Schwerpunkt in dem Rumpf und Becken liege, also auch hier eigent-lich nur wieder eine Bestätigung der Schwerkraft zu finden sei. Wie weit dieseletztere Angabe statistisch erwiesen ist, geht aus dem Aufsatz nicht hervor. Auchseitdem sind Experimente zum Beweis dieses Satzes nicht gemacht worden.
Kehr er hat mit einem eigenen Apparat (Schwerpunktmesser)den Schwerpunkt bestimmt und gefunden, dass derselbe bei mensch-lichen und Säugethierfrüchten unter der Voraussetzung, dass dieselben