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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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149
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Erklärung der Häufigkeit der Kopflagen. 149

könnte man nach der Leitstelle die I. und IL Schädel- besserScheitel-" unddie III. und IV. SchädellageVorderscheitellage" nennen.

Die überraschend grosse Zahl von Schädellagen kannnicht Zufall sein. Darum ist es eine sehr berechtigte wissenschaftlicheNeugier, nach der Ursache zu fragen.

Da drängt sich als Vorfrage auf, ob es denn während der ganzenZeit so eingerichtet sei, dass der Kopf am tiefsten liege oder erst amEnde der Schwangerschaft. Thatsächlich macht sich das statistischeUeberwiegen der Schädellagen erst gegen das Ende derSchwangerschaft geltend und existirt in früherer Zeit nicht. Sosind z. B. (Dubois und Scanzoni 66 Fälle) auf 100 Aborte nur49 Kopflagen gegen 48 Steiss- und 3 Querlagen berechnet worden.Im 6. Monat überwiegen die Kopflagen mit 69 °/o schon beträchtlich.Wie oben gesagt, wird das Verhältniss bei reifen Kindern 95 °/o.

Es gibt also in früheren Monaten der Schwangerschaft relativ mehrSteisslagen. So viel ist an der Beobachtung richtig. Der Hippo-kratischen Lehre lagen wohl so weit Beobachtungen zu Grunde, aberdie Verallgemeinerung, dass alle Kinder in der ersten Zeit mit demGesäss auf dem Muttermund sitzen und dann im 7. Monat die Lagewechseln, geradezu Purzelbäume (Culbute) schlagen sollten, führte zumhellen Unsinn.

Die relativ grössere Häufigkeit von Beckenendlagen in früherenSchwangerschaftsmonaten wird schon dadurch erklärlich, dass die Ge-bärmutterkörperhöhle dann nahezu Kugelform hat und relativ viel niehrFruchtwasser enthält als später, so dass der Fötus in freiester Beweg-lichkeit im Fruchtwasser schwimmen und pendeln kann. Möglich istes, dass noch ein anderer Grund dazu kommt. Sicher kann aber derneu hinzukommende, lagenbestimmende Grund nicht in den Bewegungengesucht werden; denn diese sind auch schon in früherer Zeit vorhanden.Nur die Uterusform wechselt.

Der Uterus wird gegen das Ende der Schwangerschaft birnförmig.Dies gilt in erster Linie für das sich contrahirende Organ. Dadurchmüssen sich auch die grösser werdenden Kinder der Längsaxe der Ge-bärmutter mehr anbequemen wie früher. Es kann sich dann nur nochum Kopf- oder Steisslagen handeln.

Ein Hauptgrund zur Erklärung des Vorwiegens der Schädel-lagen ist nun unzweifelhaft die Schwerkraft. Zu herücksichtigensind aber die Gesetze des specifischen Gewichtes. Wenn man aus einemgewissen, gleich dichten Stoff eine Puppe von Kinderform schnitzenwürde und brächte sie in eine Flüssigkeit, deren speciflsches Gewichtdiese Puppe gerade schwebend erhielte, so müsste dieselbe je nachZufall zur Ruhe kommen; würden aber in den Kopf nur ein paareiserne Nägel eingeschlagen, so müsste derselbe constant am tiefstenstehen. Das ist die Bedeutung des Schwimmversuches, dessen Ergebnissdarin besteht, dass er die relative Dichtigkeit der einzelnen Körper -theile anzeigt. Bringt man eine Kinderleiche unter dieselben