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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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147
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Geschichte des Geburtsmeehanismus. 147

Tiefertreten der grossen Fontanelle diese Drehung ausbleibt, haben besonders eng-lische Geburtshelfer geschlossen, dass derjenige Theil des Schädels, welcher ammeisten vorrückt, sich immer der vorderen Beckenwand nähert.

Der Grund der Rotation liegt beim Durchgang durch das Becken in derForm der einzelnen Ebenen und der grössten Durchmesser in denselben; aber selbstauf dem Beckenboden kann ein in Querstand angekommener Kopf seine Stellungnoch verbessern und zwar durch Einwirkung der Muskulatur des Beckenbodens.Ganz besonders war es Hildebrandt, der diesen Umstand würdigte. Man kanndie Muskulatur des Beckenbodens als zwei von den Beckenknochen absteigendeschiefe Ebenen betrachten, die in der Mittellinie des Körpers zu einer nach vornabschüssigen Rinne zusammentreffen. Dies erklärt ihren Einfluss auf die Gerad-stellung des Kopfes.

4) Die Senkung der kleinen Fontanelle ist als Hebelwirkung derWiderstände auf den längeren vorderen Hebelarm schon von Kiwisch, dann vonWest und Leishman erkannt worden.

Besondere Mühe zu noch genauerer Aufklärung über die Vorgänge desGeburtsmeehanismus gaben sich in jüngster Zeit Küneke, Schatz und Lahs,deren Arbeiten wir im Literaturverzeichniss citiren. Die Richtung ihrer Forschungenist eine neue, ich möchte sagen constructiv-experimentelle. So werden z. B. ausder Beobachtung einzelne Thatsachen ausgehoben und diese nun auf ihren Werthin nachgebildeten Constructionen experimentell geprüft. Manche dieser Nachbil-dungen haben demonstrativen Werth zu Lehrzwecken.

Inhaltsübersicht.

1) Unter Geburtsmechanismus versteht man die verschiedenen Drehun-gen und Verschiebungen, toelche der Kopf beziv. der zur Geburt kommendeKindestheil durchläuft.

2) Für die Geburt des Kopfes sind wesentlich drei Drehungenauseinander zu halten:

a) Die Drehung des Kopfes um den Längsdurchmesser des Kindes.

b) Die Drehung um die Queraxe des Kopfes, die zu einer Senkungdes Hinterhauptes oder Beugung des Kopfes führt.

c) Die dritte Drehung besteht im Ein- und Durchschneiden desKopfes in einer Bogenbewegung um die Symphyse herum. (Da-mit ist eine Streckung oder Extension des Kopfes verbunden?)

Die Fruchtlagen.

Literatur.

Cohnstein: Die Aetiologie der normalen Kindeslage. M. f. G. Bd. 81.1868. p. 141 u. ff., worin die Geschichte dieser Frage mit Angabe der älterenLiteratur enthalten ist. Battlehner: M. f. G. Bd. IV. 1854. p. 419 u. ff.Duncan, M.: The statics of pregnancy in Edinb. med. and surg. Journal. Jan.1855, u. Research, in obstet. 1868. Part. I. Dubois, P.: Memoire de l'acad.de med. T. IL p. 265. 1833. Simpson: Monthly Journal of med. science.Edinb. 1849. Januar u. April. Veit, G.: Scanzonfs Beiträge. Bd. IV. p. 279. Scanzoni in Wien. med. Wochenschr. 1866. 16, u. Lehrb. d. Geb. 4. Aufl.Bd. I. p. 102. Schultze: Unters, über d. Wechsel d. Lage. Leipzig 1868.Poppel: M. f. G. Bd. 32. p. 321 u. Bd. 33. p. 279. 1868 u. 1869. Fasbender:Berl. Beiträge z. Geb. u. Gyn. Bd. I. p. 41. Kehrer: Beiträge z. vergleichendenGeburtskunde. Heft 2. 1868. Schröder: Schwangerschaft, Geburt u. Wochen-