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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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146
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146 Geschichte des Geburtsmechanismus.

nämlich durch eine Vergleichung der Schädelform mit der Gestalt des Becken-eingangs.

Während Smellie (1751) in dem genannten Punkte sich zur gleichen An-sicht bekannte und noch einen übrig gebliebenen Irrthum Ould's, nämlich dassder Thorax des Kindes unabhängig zur Stellung des Kopfes direct nach hintengerichtet bleibe, verbesserte, hielt Levret (1747), um dieselbe Zeit in Paris thätig,die ältere Ansicht über die Einstellung (im Beckeneingang) des geraden Kopfdurch-messers vollständig aufrecht. Ihm folgten die Geburtshelfer seiner Schule aufdeutschem Boden, Stein der Aeltere und R ö d e r e r, von denen allerdings dererstere in der 5. Auflage seines Lehrbuches jene Lehrmeinung verliess.

Zu der von den Engländern eingeleiteten besseren Erkenntniss der Einstellungbekannte sich auch Saxtorph in Kopenhagen, ferner Solayres deRenhacund Baudelocque in Paris. Aber eine vollständig erschöpfende und in diesemPunkte bis auf einen Nebenumstand richtige Kenntniss brachten die deutschenGeburtshelfer Boer, W. J. Schmitt in Wien, Nägele der Aeltere (1819) undMampe.

Es tritt der Kopf mit dem Scheitel auf den Beckeneingang, die Pfeilnahtverläuft quer oder schräg, und zwar im ersten schrägen Durchmesser (von rechtshinten nach links vom), also mit nach vorn gerichteter kleiner Fontanelle, aberniemals oder doch nur bei ungewöhnlichem Becken oder ganz kleinem Kind in derConjugata. Erst beim Vorrücken in dem Becken senkt sich das Hinterhaupt. Dieschräge Einstellung wurde besonders von Solayres de Renhac betont undheisst noch nach ihm Solayres'sche oder laterale Obliquität.

Nägele betonte ferner neben wesentlicher Uebereinstimmung mit den vor-erwähnten Ansichten, 2) dass die Pfeilnaht dem Promontorium näher verlaufe, alsder Symphyse. Das ist nun nicht von vornherein richtig. Es erscheint dies nur inFolge des Wehendruckes, und Duncan hat diese Nägele'sche Ansicht (Nägele'scheObliquität) so erklärt, dass beim Vorrücken des Kopfes, nachdem ursprünglich diePfeilnaht sich mitten auf den Beckeneingang gestellt hatte, dieselbe tiefer untendem Kreuzbein näher erscheine, weil sich das Kreuzbein nach vorn krümme.Tiefer im Becken ist die Nägele'sche Ansicht schon richtig, theils durch dieKreuzbeinkrümmung, theils durch die Drehung der Sagittalnaht in den geradenDurchmesser und durch die Druckrichtung der Uterusaxe, die den Kopf vorn ander kürzeren und tiefer liegenden Beckenwand leichter und früher abwärts treibtals hinten (vergl. Bra une's Durchschnitt). Nur bei im Beckeneingang vorhandenenWiderständen weicht der Kopf schon oben gegen die hintere Schulter ab.

Zu gleicher Zeit wie Nägele hatte Mampe in Meckel's Archiv einzelneThesen über den Geburtsmechanismus aufgestellt, welche er später in seiner Inaugu-raldissertation weiter ausführte. Diese Darstellung, welche im Thatsächlichen sorichtig ist, dass daran nicht mehr viel geändert werden kann, hob zunächst her-vor, dass der Eintritt des Kopfes im Anfang der Geburt immer im Querdurch-messer erfolge, häufig dies aber schon am Ende der Schwangerschaft vollzogenwerde, so dass man beim Wehenbeginn den Kopf schräg antreffe. Die Pfeilnahtsteht nach Mampe im Beckeneingang immer quer, beide Fontanellen gleichhoch, das nach vorn liegende Scheitelbein etwas tiefer, besonders bei Hängebauchund plattem Becken. Die Drehung erfolgt so, dass die kleine Fontanelle, ohneherabzusteigen, sich von der Seite nach vorn bewegt. War dieselbe ursprünglichin der rechten Seite gelegen, so beobachtet man öfters anfangs eine Drehung derkleinen Fontanelle gegen die Synchondrosis sacro-iliaca. Von da geht sie mitbeschleunigter Bewegung den Querdurchmesser durchlaufend in die zweite Positionzurück.

Nachdem einmal allseitig anerkannt war, dass beim Geburtsmechanismuseine Drehung des Kopfes stattfinden müsse, bemühte man sich, die Art dieserDrehung genauer zu erkennen und den Grund derselben aufzufinden.

Dass 3) die Drehung nach vorn selbst dann zu Stande komme, wenn diekleine Fontanelle zuerst mehr nach hinten steht, hatte schon W. J. Schmitt er-kannt und hatten seitdem die deutschen Geburtshelfer stets festgehalten. Weil beim