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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
141
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Geburtsmechanismus der I. Schädellage. 141

teren Fläche des Schambeins hinuntergedrängt und dient als Hypo-mochlion der Bogenbewegung bei dem Durchschneiden der hinterenSchulter, gerade wie das Hinterhaupt bei der Geburt des Schädels.

Um gewissen Einzelheiten noch gerecht zu werden, wollen wirden Geburtsmechanismus einer Schädellage nochmals im Zusammenhangdarstellen. Wir wählen dazu die I. Schädellage, ebenso sehr weil sieam häufigsten vorkommt, als auch, weil damit mutatis mutandis allesfür die IL Schädellage geschildert ist.

Bei der I. Schädellage liegt vor Beginn der Wehen der Rückennach der linken Seite der Mutter. Es befindet sich das Hinterhauptungefähr in der Höhe der Pfannengegend der linken Beckenwand. DiePfeilnaht verläuft meist mehr oder weniger quer. Ohne Schwierigkeitist aber auch die grosse Fontanelle zu erreichen, indem grosse undkleine Fontanelle ziemlich gleich hoch stehen. Treten dann die Wehenauf, so fühlt man bei späteren Untersuchungen, wie das Hinterhauptan der Seite der Beckenwand tiefer und die kleine Fontanelle dem tou-chirenden Finger näber rückt.

Im Muttermund präsentirt sich aber nicht das Hinterhaupt, trotz-dem diese Position gewöhnlich Hinterhauptslage genannt wird, sondernder hintere obere Winkel des rechten Scheitelbeins, weshalbdiese Lage schon oft und mit Recht den NamenScheitellage" be-kommen hat. Die grosse Fontanelle wird allmählich schwerer erreichbar.Dieselbe bleibt zurück und dreht sich sogar direct nach hinten. Wenndie relative Senkung der kleinen Fontanelle das häufigere ist, so kanndoch auch der Kopf in anderen Fällen ziemlich lange, nahe bis auf denBeckenboden die ersterwähnte Stellung beibehalten, so dass die Finger-spitze, wenn der Kopf nahezu am Einschneiden ist, die kleine Fontanellenach dem eiförmigen Loche zugewendet findet, und auch die beidenFontanellen noch gleich hoch stehen. Es hängt dies von den Wider-ständen bezw. von der Weite und Geräumigkeit des Beckens ab. DieGeradstellung kommt dann erst während des Durchschneidens, also durchdie Wirkung des Beckenbodens zu Stande.

Die ganze Fortbewegung des Kopfes macht aber gewissermassenauch den Eindruck eines Rollens, indem der an der hinteren Beckenwandanliegende Schädelknochen festzustehen und der Schädel mit der vorderenHälfte tiefer zu rollen, also eine Drehung um einen Frontooccipital-durchmesser auszuführen scheint.

In die Mitte des Beckens, da wo die Muttermundsöffnung liegt,kommt bei der ersten Schädellage der hintere obere Winkel des rechtenScheitelbeines. Wir haben oben (p. 24) bereits berücksichtigt, wie dieKopfgeschwulst entsteht (Caput succedaneum, i. e. Vorkopf). Wir brau-chen demnach nur noch zu ergänzen, dass sie in I. Schädellage an dieserStelle des rechten Scheitelbeines entstehen muss.

Die Kopfknochen eines Kindes sind nicht in fester Verbindungund ihre Verschiebbarkeit macht sich gerade während der Geburtgeltend. Das nach hinten gewendete linke Scheitelbein wird mehrzurückgehalten und zwar am meisten vom Promontorium (Dohrn).