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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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Die zweite Drehung des Geburtsmechanismus.

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mit der Pf'eilnaht in den grössten Durchmesser der Beckenebene ein-zustellen: also im Beckeneingang in den queren oder schrä-gen und in Beckenenge und -ausgang in den geradenDurchmesser.

Diese eine Drehung um den verticalen Durchmesser des Kopfesnennt man die erste Drehung des Geburtsmechanismus.

Wenn auch die Ausgestaltung des Beckens nicht ohne Einfluss,so ist sie doch nicht das einzige Moment für diese Drehungen. Sehroft kommt ein Kopf erst zur Gradstellung auf dem Beckenboden und daswird auch begreiflich durch die Zusam-mensetzung desselben aus zwei von der Fig. 82.seitlichen Beckenwand entspringenden undin der Mitte gleichsam zu einer Rinnezusammenlaufenden Muskelplatten.

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Anmerkung. Die anatomischen Unter-suchungen von J. Veit 1 ) und H. Varnier 2 )sprechen der Gestalt des Beckens, d. h. alsoder verschiedenen Geräumigkeit der einzelnenEbenen, selbst den Knochen des Beckenaus-gangs jeden Einfluss auf die Drehbewegungdes Kopfes ab. Der letztere erklärt die Drehun-gen des Kopfes ausschliesslich durch die Formund die Muskeln des Beckenbodens und desDammes. Ols hausen endlich vertritt dieAuffassung, dass die Drehungen des Kopfesnur als Mitdrehung des kindlichen Rumpfeszu betrachten seien. Der sieh zusammenkrüm-mende Rücken werde unter den Contractionen dernach vorn sich ausbuchtenden Gebärmutter-wand zugedreht. Dies sei die Ursache derKopfdrehungen.

Die zweite Drehung geht umeine Queraxe des Schädels. Die Er- |jj| (§

klärung dieser Drehung ist folgende: zum Geburtsmecimnismus.

Beim Vorwärtsschieben des Kindes wird

die Kraft durch die Wirbelsäule auf den Kopf übertragen, und dadie Einpüanzungsstelle dieser dem Hinterhaupt näher ist als dem Ge-sicht, wirkt auch die Kraft zunächst auf das Hinterhaupt und treibtdieses zuerst tiefer. Das ergibt eine Drehung um die Queraxe.Nach der Lehre vom zweiarmigen Hebel gibt es dafür eine sehr ein-fache und einleuchtende Demonstration. Denken wir auf der Schädel-basis die beiden Hebelarme dem wirklichen Verhältniss entsprechendangezeichnet und die Widerstände, welche der Kopf beim Vorrückenan der Beckenwand zu überwinden hat, als Stützen des schwebendenHebels angebracht, so ist es nach der Lehre vom Hebel mit ungleichenArmen klar, dass die Widerstände sich eher am längeren, also am

*) Die Anatomie des Beckens im Hinblick auf den Mech. d. Geb. 1887.2 ) Du dedroit inferieur musculaire du bassin obstetrical. Paris 1888.