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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
125
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Das Durchschneiden, die Nachgeburtsperiode. 125

und der Anordnung der Muskelfasern bedingt sei oder indirect durcheine Streckung des Kindes zu Stande komnie, soll hier unerörtert bleiben.

Nachdem der Kopf in der noch zu beschreibenden Weise aus-getreten ist, stellt sich die Schulterbreite zur Geburt ein und natur-gemäss gerade unter einem rechten Winkel zu demjenigen schrägenDurchmesser, in welchem die Pfeilnaht voran stand.

Bei der ersten Schädellage, bei welcher Rücken und Hinterhauptdes Kindes der linken Mutterseite zugewendet sind, wird sich nach derGeburt des Kopfes die rechte Schulter rechts vorn an der Beckenwandbefinden; sie bewegt sich durch die Wehen mehr nach vorn unter denSchambogen und tritt zuerst tiefer. Da stemmt sie sich an, währenddie linke Schulter hinten über den Damm hervortritt. Der übrigeRumpf folgt gewöhnlich im gleichen Augenblicke nach, und damit istdie Geburt des Kindes vollendet. Hinter den Füssen folgt das soge-nannte zweite Fruchtwasser, meist ziemlich stark mit Blut vermischt.

Die Schmerzen, die sich beim Durchschneiden des Kindes aufshöchste steigern, das unwillkürliche Pressen mit allen Muskeln, dannder Wärmeverlust durch Kind und Fruchtwasser hinterlässt bei derKreissenden einen Zustand grösster Erschöpfung. Sehr häufig kommthiezu ein Gefühl des Frierens, Schütteins, ja selbst ein ausgesprochenerSchüttelfrost. Irgend welche schlimme Bedeutung hat diese Erschei-nung nicht.

Nach kurzer Ruhe und Sammlung beginnen von neuem Contrac-tionen. Dieselben verursachen ziemlich regelmässig wieder Schmerzen,aber unvergleichlich geringere als die dolores ad partum.

Nach etwa 1 ji x /2 Stunde wird die Placenta unter reflectorischerAnstrengung der Bauchpresse ausgestossen. In der Mehrzahl der Fällewird die Placenta nach unseren Zusammenstellungen innerhalb der erstenhalben Stunde ausgetrieben. Wir erachten die rasche Austreibung alsdas typisch Normale, doch ist von keiner Abnormität zu sprechen, wenndie Wehen später auftreten und die Ausstossung langsamer erfolgt.

Gewöhnlich liegt der Grund für das spätere Erscheinen darin,dass die Placenta nur his in die Scheide oder gar nur in den Cervical-canal und das untere Uterinsegment getrieben wird.

Doch geht aus der Beobachtung des physiologischen Verlaufesso viel hervor, dass die Nachgeburt meistens von selbst erscheint undman im Allgemeinen hierzu weder einen Handgriff noch einen Eingriffnöthig hat.

Die Ausstossung geschieht in die Scheide, beziehungsweise denCervicalcanal und das erweiterte untere Uterinsegment durch Contrac-tionen der Gebärmutter. Von hier weg würde sie bei der vollkommennaturgemässen Geburt heim Aufstehen der Gebärenden zu Boden fallen.Da man aber diesen naturgemässen Verlauf unterdrückt und die Kreissen-den nicht aufstehen lässt, bleibt nur die Bauchpresse als weiteres Aus-treibemittel übrig. Kommt diese nicht zur rechten Zeit zur Wirkungoder endlich eine fremde Hand zu Hülfe, so könnte recht häufig dieriacenta liegen bleiben, bis sie fault.