Diagnostik der Schwangerschaft. 119
Die Diagnose des intrauterinen Todes der Frucht.
Ganz unabhängig von der Aetiologie des intrauterinen Frucht-todes wollen wir hier die Erscheinungen an Kind und Mutter berück-sichtigen.
Das abgestorbene Kind wird noch ungefähr 14 Tage weiter ge-tragen. In dieser Zeit geht es eigenthümliche Veränderungen ein —es wird im Fruchtwasser macerirt. Die Oberhaut eines solchen Fötus,den man früher allgemein als „faultodt" bezeichnete, hebt sich inFetzen ab und unter derselben wird das kupferrothe Corium sichtbar.Das Blut, also die Blutkörperchen, lösen sich im Fruchtwasser auf unddieses Blutwasser diffundirt durch alle Gewebe, macht blutig seröseErgüsse in alle Körperhöhlen und gibt auch dem Fruchtwassereine schmutzig blutrothe Farbe. Wie bei Wasserleichen be-ginnen in den späteren Stadien die einzelnen Knochen des Schädel-daches und der Extremitäten sich zu lösen — „ es schlottern die Kopf-knochen".
Zeichen des intrauterinen Fruchttodes kann man dann als gegebenerachten, wenn objectiv durch ärztliche Untersuchung erst das Lebeneines Kindes durch die Auscultation der fötalen Herztöne festgestelltwar und später die Herztöne durchaus nicht mehr gehört werden können.Bekräftigt wird die Annahme des Todes, wenn die betreffende Schwan-gere vorübergehend eine Steigerung und darauf einen vollständigenNachlass der Kindsbewegungen bemerkt hatte.
Sonst ist auf die subjectiven Empfindungen der Schwangerennicht viel zu geben. Wo die Kindsbewegungen nicht mehr gefühltwerden, können daran auch Contractionen Schuld haben, denn erfah-rungsgemäss werden Bewegungen regelmässig während der Uterus-contractionen nicht mehr gefühlt. Als Zeichen für den intrauterinenFruchttod gelten noch das Gefühl, als ob ein schwerer Körper im Leibhin und her falle, Schlaffwerden der Brüste, Frösteln, Mattigkeit undschlechter Geschmack im Munde. Mehr wie eines dieser Symptomemacht den Eindruck, als ob es erst als Frucht eines Vorurtheils durch„Hineinexaminiren" bekannt wurde; denn sicher ist es, dass die Mehr-zahl der faultodten Früchte zur grossen Ueberraschung geboren wird,und die Mütter erst auf nachträgliches Besinnen von allerlei em-pfundenen, ungewohnten Erscheinungen zu berichten wissen. Sicherwird die Diagnose durch den Abgang eines blutig gefärbtenFruchtwassers und durch das Gefühl schlotternder Kopf-knochen.
G a s s n e r machte in seiner Arbeit über die Veränderung desKörpergewichtes bei Schwangeren (M. f. G. Bd. 19. p. 11) die auffallende,aber bisher nicht entsprechend gewürdigte Angabe, dass er dreimalnach dem intrauterinen Fruchttod im Lauf von 8—14 Tagen eine Ab-nahme des Körpergewichts um 2—3 kg beobachtet habe. Er beziehtdies auf Resorption von Fruchtwasser etc. und schreibt der Erscheinung