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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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120 Diätetik der Schwangerschaft.

sogar diagnostischen Werth zu. Es ist Schade, dass diese Angabe seit-her nicht weiter geprüft worden ist.

Da auch das Kind durch seinen Kreislauf und seine Oxydationen Wärmeerzeugt, so muss, wie schon Schröder 1 ) nachgewiesen hatte, das lebende Kindeine Wärmequelle für den Uterus sein. So lange der Fötus lebt, muss also dieGebärmuttertemperatur höher sein, als diejenige der Scheide. Dagegen fällt mitdem Tod des Kindes diese Differenz hinweg. Cohnstein 2 ) und F e h 1 i n g 3 )machten auf den praktischen Werth dieses Verhältnisses aufmerksam, um denintrauterinen Fruchttod erkennen zu können.

Die Diätetik der Schwangerschaft.

Da die Schwangerschaft ein physiologischer Vorgang ist, sollteeigentlich weder besondere Pflege noch Behandlung nothwendig sein;in den Kreisen der arbeitenden Bevölkerung ist dies auch der Fall.

Nur selten werden von solchen Frauen Schwangerschafts beschwer-den laut, vielleicht zum Theil, weil sie glauben, dass Schwangerschaftkleine Schmerzen stets mit sich bringen müsse. Andererseits kann manauch sehr viele Insassen der Entbindungsanstalten nach allen lästigenErscheinungen fragen, ohne bejahende Antworten zu erhalten. Selbstdas so unangenehme Erbrechen scheint bei den an körperliches Arbeitengewöhnten Personen seltener vorzukommen.

Wenn nicht besondere Verhältnisse eine Aenderung der Lebens-weise gebieten, ist es für Schwangere am besten, bei derjenigen zubleiben, an die sie gewöhnt sind.

Man schreibt viel über Essen und Trinken, tägliche Stuhlaus-leerung, Gewährung absonderlicher Gelüste, Kleidung und Bewegung.

Die eine Frau empfindet bei jedem Aufstehen Kreuzschmerzen Twährend die Kunstreiterin ruhig ihrem Beruf weiter obliegt.

Eine leidet an beständigem Erbrechen, während eine andere sichniemals so wohl befindet, als gerade während der Schwangerschaft.

Folglich können als allgemeine diätetische Vorschriften nur ge-geben werden, zu starkes Schnüren zu vermeiden, heftige Bewegungenwie Tanzen, Bergsteigen, Befahren holperiger Wege, lange Eisenbahn-oder Seefahrten zu unterlassen.

Dagegen ist jede Bewegung in frischer Luft und alles, was zurReinlichkeit beiträgt, dringend anzurathen.

Bei Stuhlverstopfung nehme man Rheum, Senna und Magnesia-präparate. Spiegelberg widerrathet jedoch den häufigen Gebrauchsalinischer Purgantien, weil diese nachtheilig auf die Entwicklung, be-sonders die Knochenbildung der Frucht wirken.

Ebenso spricht er sich gegen zu häufigen Gebrauch von Klystieren

a ) Virchow's Archiv. Bd. 3.

5 ) Arch. f. Gyn. Bd. 4. p. 54 u. Virchow's Archiv Bd. 62. p. 141.

3 ) Arch. f. Gyn. Bd. 7. p. 143.