11ß Diagnostik der Schwangerschaft.
Inhaltsübersicht.
Für die zweite Hälfte der Schwangerschaft ist das beste und einvollkommen sicheres Zeichen das Hören der kindlichen Herztöne. Für dieerste Hälfte gibt es keine untrüglichen Zeichen. Die werihvollsten sind:1) Ausbleiben der Regeln, 2) die Vergrösserung des Uterus, 3) Colostrumin den Brüsten, 4) die Montgomert/'sehen Drüsen und die Verfärbungenam Warzenhof, 5) die weinhefenartige Färbung der Scheidenschleimhaut.
Diagnose der ersten und der wiederholten Schwangerschaft.
Eine zweite Schwangerschaft muss dadurch zu erkennen sein, dassdie betreffende Frau Zeichen einer früher überstandenen Schwanger-schaft und Geburt an sich trägt. Fehlen solche Zeichen, so wird manstets zum Schluss gelangen, dass die Untersuchte zum ersten Malschwanger sei.
Die Erscheinungen, welche durch frühere Gravidität am KörperSpuren für's Leben hinterlassen, sind Narben. Alle anderen Schwanger-schaftserscheinungen werden wieder ausgeglichen. Narben sind es,welche an der Bauch haut als Folge übermässiger Dehnung bleiben,und ebenso sind es Narben, welche sich am Muttermund nach denEinrissen bilden. Noch eine Stelle wird durch die Geburt besondersstark gedehnt und gewöhnlich für immer verändert: es entstehen Ver-letzungen und Narben am Scheideneingang (Scheidenmund).
Ueber die Streifen der Bauchhaut (Striae gravidarum) und dieRisse am Muttermunde vergl. SS. 89, 97 u. 107.
Gerade wie ausnahmsweise die sämmtlichen Veränderungen aus-bleiben können, wenn die Elasticität gut ist, so können andererseitsauch Narben in Folge von Entzündungen ein ähnliches Bild geben ; z. B.solche nach Erosionen und nach venerischen Geschwüren.
So kann z. B. eine Person ihre Jungfrauschaft verloren haben und dochdie Zeichen einer Nullipara besitzen, wenn ein unreifes Ei ausgestossen wurde.Aber auch das Gegentheil kommt zur Beobachtung, dass eine Frau durch einenAbortus solche Verletzungen bekommt, als hätte sie das grösste Kind geboren.
Abgesehen von seltenen Narben am Damm, die von einer Geburt Zeugnissgeben, da ausserdem diese Körperstelle Verletzungen nicht ausgesetzt ist, sind esdie Veränderungen des Scheideneinganges. Der Hymen, welcher diejungfräuliche Scheide nach aussen abschliesst, pflegt durch die Iuimissio penis ein-gerissen zu werden. Nur selten wird die Conception beobachtet bei imperforirtemHymen. Mit diesen Einrissen kann jedoch der Hymen bis zur ersten Geburt be-stehen, aber die starke Dehnung durch den Austritt des Kindes zertrümmert nochdie einzelnen Lappen, so dass bei einer Mehrgebärenden nur noch kleine Wärz-chen (Carunculae myrtiformes) von pyramidaler Form als Reste des früheren Hymensbestehen. Diese Veränderung bleibt nie aus. Nur übermässige Dehnungen andererArt oder Geschwüre und davon wieder mehr gangränöse als syphilitische, könneneine gleiche Zerstörung des Hymen bewerkstelligen wie eine Geburt.