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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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117
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Diagnostik der Schwangerschaft. 117

Ich übe und lehre deswegen, bei jedem Gebrauch der Sonde, und eheder Knopf den äusseren Muttermund passiren darf, jede Frau nochmalsnach der letzten Periode zu fragen. Ausser mit Lageverände-rungen und Neubildungen ist eine Schwangerschaft in den ersten Mo-naten schwerlich zu verwechseln, wenn es sich dabei um einen beweg-lichen Uterus handelt.

Bei Lageveränderungen und Neubildungen (Uterusfibroide)und Hämatometra müssen die anderen Symptome, nämlich Ausbleibender Menstruation, Colostrum in den Brüsten, weinhefenartige Färbungder Vagina und Uteringeräusche die Entscheidung bringen. Die Hämato-metra ist ohnehin an dem verschlossenen Muttermund leicht zu er-kennen. Wo eine Unterscheidung momentan nicht möglich ist, warteman ruhig den weiteren Verlauf ab.

Bei fixirtem Uterus können entzündliche Exsudate und Blut-ergüsse die Diagnose ausserordentlich erschweren. Von grösserer Be-deutung ist in solchen Fällen die Differentialdiagnose gegenüber Extra-uteringravidität. (Vergl. dort.)

Wo der Arzt bei einer Schwangerschaft nach dem vierten Monatgerufen wird, ist das Urtheil wesentlich erleichtert. Meistens sinddann schon die Herztöne des Fötus zu hören, und ist damit die ganzeSachlage vollständig klar.

Aber selbst wenn der Fötus abgestorben ist, pflegen alle anderenSymptome so ausgeprägt zu sein, dass Irrthümer bei genauem Unter-suchen leicht zu vermeiden sind. Ist aber das Kind gar lebend, sosind Fehler der Diagnose schwer zu entschuldigen.

Gegenüber Uterusfibroiden und Ovarialkystomen ist die Erken-nung einer Schwangerschaft sicherlich nicht schwierig, wenn man andie Möglichkeit derselben denkt und auf die Zeichen achtet. Und inden Fällen, wo trotzdem Verwechslungen vorgekommen sind, führteeine durch unwahre Angaben bewirkte Voreingenommenheit auf falscheFährte, weil diese Personen die Schwangerschaft hartnäckig leugnetenund für unmöglich erklärten. Der Arzt darf solchen Betheuerungen,mögen sie noch so bestimmt lauten, nie unbesehen Glauben schenken,denn bekanntermassen muss regelmässig bei Verlegenheiten, die dassexuelle Leben nach sich zieht, die Lüge Helferdienste leisten. Wo jeUngewissheit besteht, soll die Entscheidung um 4 Wochen verschobenwerden. Noch leichter kann Carcinom des Omentum oder des Ovariummit starkem Ascites auf die falsche Vermuthung einer Gravidität leiten,weil man in solchen Fällen gelegentlich kleine und bewegliche Kindes-theile zu fühlen vermeint.

Anders verhält es sich, wo zwei Tumoren vorhanden sind. Davergesse man ja nie, dass Ovarialkystom und Uterusfibroide nebenGravidität bestehen können. Die specielle Unterscheidung gegenübersolchen Geschwülsten berücksichtigen wir bei Besprechung der Neu-bildungen.