Diagnostik der Schwangerschaft. 115
4) ob das Kind lebe,
durch das Hören seiner Herztöne,
5) die Beckenmaasse
mit Hülfe des Tasterzirkels,
6) die Grösse des Kindes
durch Messungen mit dem Centimeterband.Man stellt durch die innere Untersuchung fest:
1) den Zeitpunkt der Schwangerschaft
a) aus dem Tiefstand des Kopfes,
b) der Länge und Auflockerung der Vaginalportion,
c) aus dem Grad der Eröffnung des Muttermundes,
2) ojb die Frau Erst- oder Mehrgebärende sei,
a) aus den Querrissen am Muttermund, der Form, Weite undEröffnung desselben,
b) aus der Dicke oder Scharf"randigkeit der Muttermundslippen,
c) aus der Weite der Scheide,
d) aus den Veränderungen am Hymen,
3) die Lage des Kindes
durch Befühlen des vorliegenden TJieiles,
4) die Beckenmessung durch Abtasten des Kreuzbeines, bezw. des
Promontoriums,
5) die Grösse des Kindes durch die sogenannte relative Becken-messung {pergl. unten, enges Becken).
Diagnostik und differentielle Diagnostik der Schwangerschaft.
Wir haben bei der Methode der Untersuchung die Punkte bereitsgenannt, um die sich die Diagnostik dreht, und dabei absichtlich dieFrage übergangen, ob die Frau schwanger sei oder nicht, weil mit derFeststellung der Thatsache, dass das Kind lebt, die Existenz derSchwangerschaft ohnehin sichergestellt ist.
Für den Praktiker bestehen zwei wesentlich verschiedene Auf-gaben, je nachdem es sich um den Anfang oder die zweite Hälfte einerSchwangerschaft handelt. Im Anfang, wenn eine Frau selbst noch nichtklar ist, soll er entscheiden, ob Schwangerschaft vorliege oder nicht,und gegen Ende über den Zeitpunkt der Geburt, das Leben des Kindes,dessen Lage, kurz über alles, was sich auf die Prognose bezieht, Aus-kunft geben.
Im ersteren Fall, also im Anfang, sind weder Herztöne noch Be-wegungen des Fötus wahrzunehmen; es kann sich folglich nur um Ve r-änderungen des mütterlichen Organismus und ausnahmsweiseum das Ballottement des Fötus innerhalb der Eihöhle handeln. Vonden Zeichen, die noch in Betracht kommen, sind wesentlich drei vonpraktischer Bedeutung.