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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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Beckenmessung an der Lebenden. 113

an die Symphyse zu legen. Principiell macht es gewiss keinen Unter-schied aus denn genau zu messen ist nach der einen Methode sogut möglich wie nach der anderen. Wir geben der älteren Methodeden Vorzug, weil sie keine unbequeme Verschränkung der Hand noth-wendig macht.

Nur im Vorübergehen erwähnen wir hier die Messmethode vonVan Huevel. Wir müssen bei derselben anerkennen, dass sie dieMessung genauer auszuführen gestattet. Sie ist jedoch andererseits vielumständlicher, braucht fast regelmässig einen kundigen Gehülfen undhat sich deswegen nicht in die Praxis einbürgern können. Es handeltsich dabei zuerst zu messen von der Symphyse (von aussen) bis zumPromontorium, dann die Dicke der Symphyse und nun dieses Maassvom ersteren abzuziehen. Die eine Hand leitet die leicht abgebogenePlatte an das Promontorium, die andere Hand schiebt den Knopf anden oberen äusseren Rand der Symphyse und ein Gehülfe schraubt jetztdie einzelnen Teile des Beckenmessers fest. An einem Bandmaass kannnun die Entfernung gemessen werden. Dasselbe Verfahren wiederholtsich bei Bestimmung der Dicke der Symphyse. Wir nehmen an, dassdiese kurze Andeutung und die beigegebene Zeichnung die Methodehinreichend erläutern.

Die Messungen am Beckenausgang.

Der gerade Durchmesser des Beckenausganges reicht vonder Spitze des Kreuzbeins bis zum unteren Rand der Symphyse, denndas Os coccygis ist zu beweglich, um als Messpunkt dienen zu können.

Aussen ist die Spitze des Kreuzbeins am oberen Anfang der Rimaani zu palpiren. Um aber noch genauer zu gehen, führe man währendder Betastung von aussen den Zeigefinger in das Rectum und machekleine Bewegungen des Steissbeins.

Beim Messen wird die äussere Oberfläche des Kreuzbeines alshinterer Endpunkt angenommen. Da man aber immer die Maasse desGeburtskanales finden will, muss man von der gefundenen Zahl dieDicke des Kreuzbeins subtrahiren. Dieser Abzug beträgt gewöhnlich1 P/2 cm.

Der Querdurchmesser des Beckenausgangs verläuft zwischenden beiden Tubera ischii. Diese Knochenvorsprünge sind aber so massigund so in Muskelursprüngen versteckt, dass die Messung von vornhereinwenig Genauigkeit verspricht. Um correspondirende Punkte zu haben,muss die Stelle des Tuber ischii, an dem man den Messzirkel ansetzt,genauer anzugeben sein. Dadurch erst wird die Methode einigermassenbrauchbar. Die Vorschläge hiezu verdanken wir Breisky : ), nach dessenAngaben die Entfernung der beiden inneren Ränder der Tuberaischii in derjenigen Linie gemessen werden soll, welche man

') Med. Jahrbücher. Bd. 29. Heft I und Bd. 30. p. 241.Zweifel, Geburtshülfe. 2. Aufl.