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Beckenmessung an der Lebenden.
Fig. 74.
der Symphyse — das Ligamentum arcuatum — hinten das Pro-montorium. Nicht immer ist das Promontorium, d. i. der Uebergangdes letzten Lenden- zum ersten Kreuzbeinwirbel, der nächste, der ammeisten vorstehende Theil der hinteren Beckenwand. Für den Geburts-helfer kommt es aber darauf an, den kürzesten Durchmesser zu be-stimmen, und deswegen misst man in solchen Fällen von der Symphysezu dem jeweiligen „falschen Promontorium".
Die Conj. diagonalis hat deswegen eine so grosse Bedeutung fürdie Praxis, weil aus ihr viel genauer die Conjugata vera zu bestimmenist. Im normalen Becken bildet die Conj. diag. annähernd die Hypo-tenuse eines rechtwinkeligen Dreiecks, die Conj. vera dagegen die längereKathete. Es muss also auch die Höhe der Symphyse (als kleinere
Kathete) einen Unterschied bedingen fürden Abzug, den man von der C. diago-nalis machen muss, um die C. vera zufinden. Bei einer etwas anderen Stellungder Symphyse, wobei der obere Randmehr nach hinten gestellt ist, muss derAbzug noch grösser sein.
Für gewöhnlich sind l 3 ft cm,bei rhachitischen Becken 2 cm vonder Conj. diag. zu subtrahiren, umdie C. vera zu berechnen.
Die Conjugata kann vom Practikertaxirt werden, auch wenn er nicht ge-rade einen Tastercirkel zur Verfügunghat. Reichen zwei ausgestreckte Fingerbei gehörigem Senken des Vorderarmsnicht bis zum Promontorium, so ist fürgewöhnlich das Becken nicht verengt.Und ist der Vorberg zu erreichen, sokann ja jeder Practiker die Verenge-rung mit ziemlicher Genauigkeit angeben,wenn er sich voran die Mühe nahm, dieLänge seiner Finger zu messen vomMetacarpo-Phalangealgelenk des Zeigefingers bis zur Spitze des ausge-streckten Mittelfingers.
Für die Ausführung der Messung geben wir noch folgende Winke.Man entleere voran Blase und Rectum und lagere die Frau so, dassman den Ellbogen bequem senken und dem entsprechend mit denFingern recht hoch hinauf fühlen kann. Jedes plötzliche Eindringenist zu vermeiden, weil dies Schmerz veranlasst und die Kranke alsdannpresst.
Beim Abmessen der Conjugata diagonalis wurde früher überalldie Nagelfläche des Fingers an den vorderen unteren Rand der Sym-physe angelegt.
Michaelis hatte dagegen den Vorschlag gemacht, die Tastfläche
Van Huevel's Beckenmesser.