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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
107
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Muttermund. 107

(der Muttermund ist lippenförmig geworden). An der Spitze der Portiovaginalis uteri trifft der untersuchende Finger

3) auf den äusseren Muttermund das Orificium ex-ternum uteri.

Derselbe bildet beim jungfräulichen Uterus gewöhnlich eine feineQuerspalte. Diese Form entspricht auch der Uterushöhle. Währendder Gravidität, wo die Uterushöhle sich nach allen Richtungen, auchvon vorn nach hinten entfaltet, ändert sich die Muttermundsöffnung:sie wird mehr rund. So ist das gewöhnliche Verhalten, doch gibt esauch runde Oeffnungen bei Jungfrauen. Dass die runde Form keinSchwangerschaftszeichen sei, ist, seit es Stein derAeltere behauptethatte, schon unzählige Mal widerlegt worden.

Wichtiger besonders in gerichtsärztlicher Beziehung sind die Aen-derungen der Form, welche eine Geburt gesetzt hat, an denen manalso eine Mehrgeschwängerte erkennen kann.

Selbst kleine Kinder veranlassen gewöhnlich beim Durchgangdurch den Mutlermund Einrisse. Diese vernarben, geben aber demMuttermund für alle Zeit eine andere Form und sind sowohl nach demGefühl als auch im Speculum immerwährend zu erkennen. Beim Ein-tritt einer neuen Schwangerschaft sind die Narben leicht fühlbar.Narben können nicht so schwellen, wie die gesunde Schleimbaut undsie stellen sich bei der Palpation als tiefe Rinnen dar. Die Rissekommen meist auf beiden Seiten des Muttermundes vor und verwandelndie runde Oeffnung in eine Querspalte. An diesen Rissen, an der Quer-spalte und an dem viel dickeren, geschwollenen Muttermundsaum er-kennt man eine Mehrgeschwängerte vor einer Primigravida.

Zu erwähnen bleibt noch, dass bei einer Erstgeschwängertengegen Ende das Orificium sich etwas öffnet, ungefähr für eine Finger-spitze durchgängig wird.

Demnach ist bei der Untersuchung des äusseren Muttermundesanzugeben:

1) ob er etwas eröffnet (für die Fingerspitze durchgängig) odergeschlossen;

2) ob er quergespalten oder rund'sei;

3) ob er Narben habe oder nicht und

4) ob sein Saum dickwulstig oder dünn sei.

Die 3 Punkte: 1) vorliegender Theil, 2) Portio vaginalis und3) Muttermund haben die hauptsächliche Bedeutung zur Stellung derSchwangerschaftsdiagnose, und wenn man diese genau abgetastet hat,könnte man sich in dieser Hinsicht zufrieden geben. Doch gehört eszur Vollständigkeit auch auf Faltenbildungen der Scheide, auf dieBeschaffenheit ihrer Schleimhaut, auf die Betastung der Ure-teren, der Vaginal- bezw. Uteringefässe und endlich auf diehintere Beckenwand, das Kreuzbein und die Beckenboden-und Dammmuskulatur zu achten.

Es lassen sich alle diese Gebilde sehr leicht finden, wenn derUntersuchende nur methodisch für eine genaue Untersuchung geschult ist.