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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
106
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\QQ Portio vaginalis.

lassen, sonst kann es leicht vorkommen, dass im Vertrauen darauf dieverderblichsten Irrungen entstehen, z. B. die Schulter für den Kopfgehalten wird.

Um den Kopfstand vollständig zu beschreiben, kommt es zu-nächst darauf an, ob derselbe feststeht oder beweglich ist. Und dazugehören die Angaben,

1) in welchem Durchmesser des Beckens die Pfeilnaht verlaufe,

2) welche von den Fontanellen tiefer getreten sei, resp. obHinterhaupt und grosse Fontanelle sich in der gleichen Beckenebenebefinden.

Man kann diese letztere Angabe machen, wenn beim Touchirendie beiden Fontanellen gleich weit vom unteren Schamfugenrand ent-fernt sind. In der Regel hat sich diejenige Fontanelle, welche tieferin das Becken eingetreten ist, auch mehr der Symphyse zugewendet.

Hat der Untersuchende den vorliegenden Theil gefühlt und allesfestgestellt, was zur Vollständigkeit gehört oder erfolglos danach gesucht,wo ein Kindestheil noch nicht in das Becken eingetreten ist, so schiebe-er den Finger tiefer in die Scheide vor und bewege denselben voneiner Seite zur anderen, um

2) den Scheidentheil der Gebärmutter die Portio va-ginalis uteri zu suchen.

Dieselbe ragt regelmässig als ein mehr oder weniger langerZapfen in das Lumen der Scheide hinein.

Dem Gefühl nach verkürzt sich die Vaginalportion gegen das Endeder Schwangerschaft.

Da bei den Geburten die Erweiterung des Cervicalkanals vonoben her stattfindet, so dass zunächst die Eispitze den inneren Mutter-mund entfaltet, dann die Cervix und erst zuletzt die Ränder des äusserenMuttermundes, und da dieser Vorgang für den touchirenden Fingereinen ähnlichen Befund darstellt, wie das Verstreichen am Ende derSchwangerschaft, so war früher die Ansicht zur Geltung gekommen,dass die Verkürzung der Vaginalportion zusammenhänge mit einerlangsamen Erweiterung des unteren Gebärmutterabschnitts und desCervicalkanals.

Diese Erklärung erwies sich aber als unrichtig. Die Verkürzungist nur eine scheinbare der Untersuchungsbefund muss erklärtwerden durch eine sehr starke Auflockerung, eine Quellung der Scheiden-schleimhaut (vergl. hinten die Bildung des Geburtskanales).

Immerhin kann man nach der Länge oder Kürze der Portio oder,wie wir richtiger sagen müssen, aus dem geringeren oder höheren Gradvon Auflockerung der Vaginalmucosa auf einen früheren oder späterenMonat der Schwangerschaft schliessen.

Endlich ist die Beschaffenheit des Scheidentheiles verschieden beiErst- und Mehrgeschwängerten. Er. ist und bleibt bei den ersterenkonisch (ein Zapfen), er ist bei Frauen, welche schon geboren haben,in 2 Lippen zerrissen es hängen statt eines Zapfens dem Gefühlnach 2 geschwollene und umgeschlagene Lippen in die Scheide hinein